Der Traum und die inneren Bilder

Historisches

"Es ruht Enkidu, Traumbilder schaut er. Es erhob sich Enkidu, erzählt seine Träume und spricht zu Gilgamesch also:... " - das war vor 4700 Jahren. Die ältesten überlieferten Berichte von Träumen stammen wohl aus Mesopotamien. An mehreren Stellen des Epos wird von Träumen und deren Deutung gesprochen. Die im Epos vorkommenden Träume haben die Funktion, die Pläne des Gottes den Menschen mitzuteilen, damit sie sich nach ihnen richten können. Seither spielen zu den verschiedensten Zeiten und in den verschiedensten Kulturen Träume in irgendeiner Weise eine Rolle. Allen Beispielen des Alten Orient ist eines gemeinsam: Im Traum äußert sich die jeweilige Gottheit, d. h. der Traum ist göttlichen Ursprungs. Besonders schön illustriert wird dieser Glaube an das göttliche Wesen der Träume durch einen Denkstein mit griechischer Inschrift und dem ägyptischen Stier, auf dem zu lesen ist: "Ich deute Träume, da ich einen Auftrag des Gottes habe, mit gutem Glück. Ein Kreter ist es, der dies deutet." Im alten Ägypten, dem klassischen Land der Traumdeutung, reichen die Überlieferungen zur Traumarbeit bis in die Zeit um 1800 v.u.Z. zurück. In einem Papyrus sind die „Träume in der Gefolgschaft des Seth„ und die „Träume in der Gefolgschaft des Horus„ überliefert. Die bekannteste Sammlung von Träumen ist das sogenannte hieratische Traumbuch, welches – niedergeschrieben um 1150 v.u.Z. - auf die Zeit des Mittleren Reiches zurückgeht. In der griechischen Antike werden die Träume nicht mehr nur als Werk oder Botschaften der Götter erklärt. Wir finden eine Differenzierung in der Frage der Herkunft der Träume, von außen, den Göttern und Geistern, oder von innen, der Seele des Menschen. Aus dem hellenistischen Griechenland ist das Traumbuch des Griechen Artemidor von Daldis überliefert. Es entstand im 2. Jhdt. u.Z. und zeichnet Träume, speziell Traumsymbole und deren Deutung auf. Hier ging es darum, herauszuarbeiten, welche exakte Bedeutung der Traum für einen bestimmten Träumenden haben wird; dabei wurde neben den Träumen durchaus auch die Persönlichkeit des Träumers einbezogen. Das Träumen hält Einzug in die Heilkunst. Der Tempelschlaf war bis ins 5. Jahrhundert v. u. Z. die Hauptbehandlungsmethode in den Tempeln des Asklepios. Der Traum wurde dann von den Priestern gedeutet - sie brachten die angeblichen Anweisungen des Asklepios mit dem in Übereinstimmung, was ihrer Meinung nach für denPatienten von Vorteil schien. Sie benutzten also das religiöse Ritual und steuerten ihre medizinischen Kenntnisse bei. Die Paez sind ein Bergbauernvolk in Hochkolumbien; sie leben in engem Kontakt mit der Natur und das Verständnis des zyklischen Wesens der Natur bildet eine wesentliche Erkenntnisgrundlage. Die Traumdeutung gilt als eines der wichtigsten schamanistischen Hilfsmittel. Dabei nehmen es die Paez sehr ernst mit den in den Träumen getroffenen Voraussagen. Diese Voraussagen ergeben sich durch feststehende unmittelbare Symboldeutung, ähnlich wie wir es in einigen orientalischen Traumbüchern finden: „Wenn man träumt, daß einen eine Schlange beißt, so ist das ein Zeichen von Verzauberung." Wie ernst Indianer die Prophezeiungen der Träume nahmen, erkennen wir aus den hier gebräuchlichen „Traumfängern", die die Aufgabe hatten, negative Energien aus den - von außen kommenden - Träumen zu filtern. Andererseits wurde auch damit gearbeitet, daß rituelle Träume hervorgerufen wurden, in der Regel durch Fasten; der Träumer empfing hier Hinweise für sein weiteres Leben. Im traditionellen Java ist die physische Welt eng mit der metaphysischen Welt verbunden und so wird den Träumen im Alltag große Bedeutung beigemessen. Ein schriftlich fixiertes, weltanschaulich ausformuliertes Glaubenssystem gibt es nicht - allerdings es gibt Primbons, Bücher in denen Hinweise, Beschreibungen zu allen möglichen Situationen des alltäglichen Lebens gegeben werden, so eben auch Traumdeutungen. In schamanistischen Traditionen wird Träumen regelmäßig mit Gesundheit in Beziehung gesetzt. In der sibirischen Tradition weilt die Traumseele üblicherweise außerhalb des Menschen und kommt nur während des Schlafs zu ihm; wenn jemand längere Zeit ohne Traum ist, ist das ein Hinweis auf Krankheit oder gar die Ankündigung des Todes - der Mensch hat nicht mehr die Möglichkeit, Erlebnisse in den Träumen zu verarbeiten, er brennt aus und wird krank. Der Schamane begibt sich auf die Suche nach der Traumseele. Die keltischen Schamanen kannten die TraumInkubation als Heilmethode. Der „Klient„ schlief in einer besonderen Hütte oder Höhle und hatte dort einen Traum; dabei wurde er entweder über eine Möglichkeit der Selbstheilung informiert, oder erhielt Besuch von einem Heilgott. Man kennt im keltischen Kreis ähnliche Bräuche wie die nordamerikanischen Indianer - hier füllt man Kissen mit bestimmten Kräuter mischungen, was in diesem Fall dazu dient, sich an die Träume zu erinnern. Bekannt ist auch die Verwendung bestimmter Pflanzen, um „Mondvisionen", die luziden Träume, hervorzurufen, in denen es gelingt, die sich während des Träumens ereignenden Dinge zu kontrollieren. Auf ähnliche Weise wird auch damit gearbeitet, vor dem Einschlafen formulier-te Fragen durch den Traum beantwor-ten zu lassen. Es wurde also in zwei Richtungen gearbeitet: Die Träume werden gedeutet (Traumdeuter) und zum anderen werden Träume kontrolliert (Traumweber). Vermittels Traumarbeit, wurde ganz aktiv nach Antworten, Lösungen, Hinweisen, usw. gesucht. Die Druiden sehen in den Träumen die „wahren Deuter unserer Wünsche': In der keltischen Mythologie wird der Lebensweg des Cuchulainn mehrfach von Träumen begleitet. Es ist sehr schön beschrieben, wie er in einem Fall mit seiner Anima konfrontiert wird; diese tritt in Form von Feen aus der Anderwelt auf. Reisen in die Anderwelt dürften häufig - auch wo es nicht ausdrücklich betont wird - auf „Traumpfaden" realisiert werden. Insbesondere die australische Tradition kennt den Begriff der Traumzeit. Dieser bezeichnet nicht schlechthin die Zeit des Träumens in der Nacht, sondern ist v.a. Ausdruck des besonderen Wesens des Träumens im speziellen und darüber hinaus des Bildbewußtseins überhaupt. Wir treffen hier nämlich auf das Phänomen der Aufhebung der Raum-Zeit-Struktur. "Traumzeit... Von dieser Zeit lassen sich Geschichten erzählen, die einmal sich ereignet haben, die deshalb aber nicht vergangen sind. Denn von der Traumzeit muß gesagt werden, daß sie war und ist und immer sein wird. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schieben sich ineinander. ... Die Gegenwart ist immer noch Traumzeit, hat jedenfalls Teil an ihr." (Günter Dux in: „Die Zeit in der Geschichte. Ihre Entwicklungslogik vom Mythos zur Weltzeit." ) Die "Traumzeit" kann auch als mythisches Zeitalter betrachtet werden. In der Traumzeit waren neben der Regenbogenschlange noch zahlreiche Kulturheroen tätig, wie die Wondjinas, die große Mutter und Baiame und Pundjel. Die „Traumzeit„ ist aber nicht vorbei, die Medizinmänner treten innerhalb der Zeremonien mit dieser Traumzeit in Kontakt. Durch diesen Kontakt kommen wechselseitige Beeinflussungen zustande. Man geht davon aus, daß die Regenbogenschlange als reales Wesen in der Traumzeit tätig war. Heute zeigt sie sich in ihrer Schattenform als Regenbogen, Milchstraße oder als Stern. Als Prinzip ist sie unsterblich, als Individuum kann sie jedoch getötet werden. Immer wieder sehen wir, wie in traditionellen Kulturen die Traumarbeit (wo sie denn auftritt) auf die eine oder andere Weise integriert ist in das gesamte psychosoziale-spirituelle Gefüge. Beim Vogelmann-Kult der Oster-Insulaner spielten Träume eine kleine, aber dennoch bedeutsame Rolle - als Vermittler zwischen dem Gott und dem Priester (und im weiteren Verlauf den Menschen) - und wir sehen wie der Aspekt Traum integriert ist in das Gesamtgeschehen des spirituellen Kultes, gemeinsam mit anderen Elementen die (zumindest anteilig) dem Bildbewußtsein zuzuordnen sind: Rituale, spiri tuell-religiöse Aspekte, Alltagssymbole, Symbolik überhaupt ... : Dieser Kult, eine bis 1866 alljährlich durchgeführte Zeremonie, ist eng mit dem Kult um Makemake verbunden. Im wesentlichen geht es beim Vogelmann-Kult um die Entdeckung und den Besitz des ersten (im Jahr) von einer Trauerseeschwalbe (Manu tara) auf Motu Nui gelegten Eies. Der Vogel kommt jeweils im Juli/August auf wenige Inseln - wobei Motu Nui die einzige ist, die man schwimmend erreichen kann. Manu tara und deren Ei gelten in den Augen der Oster- Insulaner als Inkarnation ihres Gottes Makemake. Das Ei war der greifbare Ausdruck starker religiöser und sozialer Kräfte, der Besitz eines Eies versprach die Gunst des Gottes und politische Macht. Die Teilnehmer der Zeremonie waren Kriegshäuptlinge, die Mata- To'as, die von Makemake vermittels eines an irgendeinen Priester der Insel gesandten Traumes ausgewählt wurden. Neben diversen Ritualen großer Symbolkraft, brachte der Sieg dem Herrn v.a. Entbehrungen - er wurde für ein Jahr in einem Haus am Rano- Raraku eingeschlossen, bei strengen Auflagen. Dem Ei, welches geleert, ausgestopft und aufgehangen wurde, wurden große magische Kräfte zugeschrieben. Den Träumen wurde also in der Geschichte häufig schicksalhafte Bedeutung beigemessen - sei es, weil die Träume von äußeren Mächten gesandt würden oder weil sie zwar von innen kommend, dennoch schicksalhafte Kraft hätten. In der Tat kommen doch in den Träumen wesentliche Teile, Probleme usw. unseres Lebens zum Ausdruck. Und ohne Beachtung der Probleme können tatsächlich schwerwiegende Folgen eintreten; allerdings kennen wir inzwischen auch Möglichkeiten das „Schicksal„ abzuwenden, beginnend damit, daß wir uns mit ihnen anfreunden, denn auch ohne unser aktives Tun erfüllen die Träume schon ihre Mission; erst recht aber, indem wir auf die Träume reagieren, mit ihnen arbeiten.

Die psychologischen Schulen

Von den psychologischen Ansätzen neuerer Zeit, sind zunächst die Theorien von S. Freud und C.G. Jung zu nennen. Darüber hinaus finden wir noch eine ganze Reihe, v.a. neuere Ansätze, die in der heutigen Praxis der Traumdeutung eine Rolle spielen. Freud legt für seine Auffassung zum Wesen der Träume, wie bei seiner Theorie überhaupt, den Schwerpunkt auf das Unbewußte; er geht davon aus, daß wir wesentlich durch Strebungen, Wünsche, Gefühle bestimmt werden, die uns unbewußt sind, wobei eine ZensurInstanz verhindert, daß wir ihrer überhaupt gewahr werden können. Die eigentliche Botschaft kommt immer nur verschlüsselt zum Ausdruck. Gemeint ist damit aber nicht die Verschlüsselung durch den Einsatz von Bildsprache, sondern es handele sich um einen zensorischen Akt, um tabuisierte Themen zu verarbeiten; den eigentlichen Sinn zu verbergen. Für Freud bedeuten Trauminhalte immer eine Wunscherfüllung des ES, welche vom ICH und vom ÜBER-ICH durch die kontrollierende Instanz unterdrückt wird. Die Wunschvorstellung verschafft sich dann im Traum Ausdruck und sorgt so, durch das Ausleben der Wünsche für die psychisches Gleichgewicht des Träumers. Ein interessanter Aspekt im Hinblick auf neuere Ansätze ist: Freud vergleicht den Traum mit einer zweiten Sprache. Seit C.G. Jung kenne wir das „Kollektive Unbewußte,,. Dessen Inhalte können nicht direkt bewußt gemacht werden. Die von Jung so genannten Archetypen sind nach ihm „der Phylogenese entstammende kollektiv -unbewußte Komplexe mit autonomen Charakter,,. Sie sind selbst nicht wahrnehmbar, sondern nur ihre Auswirkungen in mythologischen Bildern, Symbolen und Motiven, Träumen und "freisteigenden" Phantasiebildern - letztlich finden wir eine Sammlung von Symbolen, Bildern, Handlungen, die unabhängig von der Kultur und der konkreten Situation in der Psyche existieren. Dabei besteht für Jung das Unbewußte aus all dem psychischen, daß nicht dem Ich-Bewußtsein entspricht. Das Ich-Bewußtsein ist dominierend; anderen Instanzen der Psyche wurde im Laufe de Zeit die emotionale Energie entzogen, so daß wir nicht mehr ohne weiteres Zugang haben. Das Unbewußte Jungs äußert sich seiner Meinung nach durch die bildhafte Symbolsprache, eine Sprache, die wir im Laufe der Zeit verlernt haben, die aber keine absichtliche Verstellung psychischer Inhalte darstelle - und auch damit unterscheidet sich Jung von Freud. Für Jung ist es von Bedeutung, nicht nur einzelne Träume oder gar Traumteile zu deuten, sonder ganze Traumserien zu betrachten, um so den Sinngehalt und die unbewußte Persönlichkeit des Träumers zu analysieren. Jung sieht im Träumen eine für das Funktionieren der Gesamtpsyche wichige seelische Tätigkeit, die dem Wirken des „normalen„ Bewußtsein gleichbedeutend ist. Jung zieht Parallelen vom Traum zum Denken im Altertum, dem Denken der Kinder und dem Denken primitiver Völker. Er merkt allerdings an, daß das Träumen keine Regression in infaniles Denken darstellt; vielmehr kommen im Traum instinktive, archaische Denkformen zum Ausdruck. Jung erkennt, daß das Bild anders als das rationale Denken, in besonderer Weise an emotionale Vorgänge gebunden ist. „Da wir in unserer Zivilisation viele Ideen ihrer emotionalen Energie beraubt haben, reagieren wir nicht mehr auf sie ..." Jung betont, daß sich der Sinngehalt der Träume über ganze Serien erstrecken kann und erschließen läßt. Die Kontinuität des unbewußten Bilderstroms zeige sich in der Wiederholung sogenannter Motive. Für Jung sind die Träume - als Ganzes - Ausdruck der unbewußten Persönlichkeit des Träumers, das sich auf dem Weg der Bildersprache Ausdruck verschafft. Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, betrachtet den Traum als existenzielle Botschaft - und zwar von dem, was im Leben fehlt. Jedes Traumelement ist die Projektion eines Teiles unserer Person. Aufgabe der Traumarbeit ist es, durch Identifikation und Dialog die Integration der Anteile zu bewerkstelligen. Somit ist der Traum der Königsweg der Integration. In der Gegenwart finden wir ein recht breites Spektrum von Theorien zur Traumarbeit, z.T. widersprüchlich erscheinende Sichtweisen - allen gemeinsam ist aber die Anerkennung der Bedeutsamkeit des Träumens - und alle sind wohl ein Knoten im Netz ganzheitlicher Sichtweisen. An dieser Stelle ist es unmöglich auf alle Ansätze einzugehen - von einigen wird an gegebener Stelle noch die Rede sein. Die Beschäftigung mit allen alten und neuen Sichtweisen zeigt uns, daß Menschen offenbar während ihrer gesamten Kulturentwicklung den Träumen eine Bedeutung beigemessen haben. Die Aufarbeitung historischer Quellen ist insofern von Bedeutung, daß wir daraus Inspiration erfahren können für unsere heutige Arbeit, denn die oft reduktionistische Herangehensweise diverser naturwissenschaftlicher Traumforschung kann das Thema meist nicht befriedigend erklären und umsetzen. - „Patentrezepte„ für den Umgang mit Träumen sind aber generell nicht möglich.

Das Phänomen Traum

Der Traum - er begleitet uns tagtäglich (bzw. nächtlich) ... im Alter wohl etwas weniger, am Anfang dafür um so mehr; man sagt, daß sich das ungeborene Kind etwa 80% seiner Zeit im REM-Schlaf befindet; der Säugling immerhin noch 50 % seiner Schlafzeit. Nicht außer acht gelassen werden dürfen entwicklungspsychologische und physiologische Aspekte des Traumgeschehens überhaupt. Experimente haben gezeigt, daß ein mehrfacher direkter Zusammenhang zwischen den kognitiven Fähigkeiten des Bewusstseins und dem Traumschlaf (REMSchlaf) besteht. So wird der Traumschlaf einerseits erst durch den Neocortex ermöglicht, andererseits werden im Traumschlaf neuronale Verbindungen geknüpft; desweiteren steht die Fähigkeit des Lernens und abstrakten Denkens in Zusammenhang mit dem REM-Schlaf. Es gibt Hinweise aus der Physiologie, daß sich die Hirnaktivität nachts zunehmend von der linken zur rechten Hirnhälfte verlagert, d.h. von der mehr rational, logisch, analytisch und sprachlich funktionierenden Hirnhälfte zur mehr gefühlsmäßig, synthetisch und bildhaft arbeitenden. Ausreichender und gesunder REM-Schlaf hat also immensen Einfluß auf unser gesamtes Leben. Die Schlafforschung hat gezeigt, daß der REM-Schlaf von großer Bedeutung für die Entwicklung des Bewußtseins ist. Dabei ist nicht entscheidend, ob wir uns der Aktivitäten während dieser Schlafphasen bewußt sind oder nicht. Und viele Träume werden uns auch nie bewußt. Einige allerdings schon - und da „liegt der Verdacht nahe", daß das auch einen Grund hat - Eine Botschaft dringt in unser Bewußtsein und wir sollen diese umsetzen.

2002_01_01_DER-TRAUM-UND-DIE-INNEREN-BILDEREs hat zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Kulturen, von verschiedenen Wissenschaftler, Theoretikern und Praktikern der Traumarbeit die verschiedensten Ansätze zur Erklärung und Handhabung des Träumens gegeben. Einerseits die Traumwelt als die eigentlich wahre Welt und andererseits Träume als rein zufällige, bedeutungslose Nervenimpulse (Gewitter im Kopf) während des Schlafes. Was letztere Variante anbelangt: Jeder der schon einmal seine Träume mit einer gewissen Aufmerksamkeit betrachtet hat, wird zu dem Schluß kommen, daß soviel „zufälliger Zufall„ kaum möglich ist, als daß Traumgeschichten letztlich ein geschlossenes Ganzes ergeben und verschiedene Traummotive immer wieder erscheinen - und dann auch noch von einer gewissen Bedeutung zu sein scheinen. Und auch Systeme der Traumarbeit, wo ausschließlich eine starre Symboldeutung stattfindet sind nicht der Schlüssel zum Ziel; das ist dann wie bei den Zeitungshoroskopen - eines für alle. Dabei ist die Traumsprache eine sehr individuelle, jeder hat seinen eigenen Dialekt - und überhaupt ist die Symboldeutung nur ein Aspekt der Traumarbeit. Eines ist jedoch auf allen Ebenen der Traumarbeit von zentraler Bedeutung, es ist die Frage: Was ist die Botschaft des Traumes/der Träume für mich? Was will/kann der Traum mir sagen, worauf weist er mich hin, welches Problem kann ich mit seiner Hilfe lösen, was kann ich lernen, in welcher Weise kann ich mich mit Hilfe des Traumes erweitern? Viele alte Kulturen habe großen Wert auf diese Botschaften gelegt und alles daran gesetzt, diesen gerecht zu werden - dabei ist es nur bedingt von Bedeutung, daß Träume oftmals als Eingebung von Göttern, Geistern usw. betrachtet wurden. Träume als kulturelle und persönliche Leitfaden finden wir in allen Kulturen. In der Gegenwart werden von den verschiedenen Forschern mehr denn je recht unterschiedliche Standpunkte vertreten - dabei kann man davon ausgehen, daß die meisten Ansätze mindestens einen „wahren Kern„ beinhalten. Wir tun also gut daran verschiedene Ansätze in die konkrete Arbeit einzubeziehen; obwohl diese sich in ihren Aussagen z.T. widersprechen, können doch fast alle für ein umfassendes Verständnis des Traumgeschehens herangezogen werden. Es gilt die „wirksamen" Bestandteile der einzelnen Theorien herauszufinden und gemeinsam mit neuen Überlegungen zu einem umfassenden Konzept zusammenzufügen. Auch dieses Konzept wird nicht vollständig und allumfassend sein; es gibt noch viele offene Fragen. Es geht unter systemtheoretischen Gesichts punkten darum, ein Netz ineinandergreifender , untereinander stimmiger Modelle zu entwickeln. Das Verständnis von Träumen - wie des Bewußtseins überhaupt - ist eng verbunden mit ganzheitlich systemischen Ansätzen, mit systemtheoretischen Konzepten. Dabei wiederum spielt das holographische Modell auch in der Psychologie eine zunehmende Rolle. (Da auf diese Konzepte hier nur kurz eingegangen werden kann, sei auf Autoren wie Capra, Pribram, Grof, Talbot verwiesen.) Zu den holographischen Prinzipien gehört die Annahme, in jedem Teil spiegelt sich das Ganze, in jedem Teil ist in gewisser Weise das Ganze enthalten. Vom technischen Hologramm wird abgeleitet: Das manifeste, räumlichzeitlich strukturierte Objekt entfaltet sich aus einem nichträumlichen Muster - in der Forschung setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, daß Informationen im Gehirn nicht in erster Linie lokal gespeichert werden, sondern ähnlich wie im technischen Hologramm als Interferenzen. Entsprechend diesem Konstrukt erklärt sich auch die Entstehung der Mehrfachdeterminierung von Traumbildern. Jeder Traum spiegelt - bei spezifischem Focus - in gewisser Weise das gesamte Selbst des Träumers wider; aber nur ein bestimmter Aspekt wird zur „Traumbotschaft,,. Man könnte das vielleicht vergleichen mit einem Astronaut, der vom All aus die gesamte Erde erblickt; was er aber konkret erfaßt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So z.B. von den ihm zur Verfügung stehenden Werkzeugen (Teleskop), seinem Auftrag (wonach er also sucht, worauf er sich konzentriert), den Sichtverhältnissen (Bewölkung auf der Erde), der Beleuchtung (Tag- oder Nachtseite) ... So sieht also auch der Träumer in gewisser Weise sein gesamtes Selbst, was er aber mittels der Traumarbeit o.ä. erfaßt, herausarbeitet hängt von den entsprechenden Faktoren ab: - von den „Werkzeugen,,, also den Fähigkeiten, Kenntnissen usw.; z.B. Symbolkenntnis, analytische Fähigkeiten ... - dem „Auftrag,,, d.h. hier worauf liegt der Fokus, mit welcher Frage bin ich herangegangen? - den „Sichtverhältnissen,,, manches ist von einem „Schleier„ bedeckt, es ist das im Unbewußten fixierte Verdrängte, dessen Vorhandensein man bei der Traumanalyse nur ahnt. - die Beleuchtung ist hier die Konzentration bzw. die Frage nach dem Aktuellen vs. dem Vergessenen, die Frage nach der Oberfläche bzw. den tieferen Schichten Und wir bedenken: was der Astronaut (Träumer) auf der Erde zunächst (also auf den ersten Blick) erkannte, sind v.a. an die Oberfläche (Bewußtsein) getretene Ergebnisse innerer Ressourcen und Kräfte. Bisherige Ansätze zur Traumarbeit widerspiegeln zumeist Ausschnitte aus dem komplexen Geschehen und / oder sie sind „ein Kind ihrer Zeit„ (wie das z.B. bei Freud sehr deutlich wird). Nicht selten spiegeln die Theorien die persönliche Problematik des Autors (siehe ebenfalls Freud). So geht Freud von Grundannahmen zum menschlichen Wesen aus, die heute kaum noch wissenschaftlich gestützt werden; dies ändert jedoch nichts daran, daß z.B. die von Freud benutzte Technik der Assoziation ein hervorragendes Werkzeug zur Erschließung der Träume ist. Weiter unten werde ich noch mal auf die Frage eingehen, welches nun die Bedeutungen unserer Träume sind. - Mit Endgültigkeit wird es auch hier nicht zu sagen sein. Denn eines ist sicher: Das Wesen des Träumens unterscheidet sich deutlich von unserem Tagbewußtsein, das Träumen folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten - wobei nicht selten der Eindruck entsteht, daß die Weisheit des Träumens eine höhere ist, als die des Tagbewußtseins. Bei näherer Betrachtung stoßen wir auf einen weiteren interessanten Aspekt und erkennen, daß sich Traum und Alltag gegenseitig durchwirken. Im Alltag finden wir ebenfalls symbolisches und deutbares, was uns belehrt und prägt; ähnliche Strukturen, Verknüpfungen wie im Traum. Parallel zum rationalen Bewußtsein wirkt auch das Bildbewußtsein. Traumleben und Wachleben ergänzen sich bzw. können sich ergänzen. J. Maguire meint: Der Traum konzentriert sich auf das, was im Wachleben nicht zum Ausdruck kommt. Träume einseitig als Wuns cherfüllung, als Probehandeln o.ä. zu betrachten, geht sicherlich an der Sache vorbei – die Träume sind zumeist sowohl das eine, als auch das andere, sind Wunderwerke der Informationsverdichtung. Es geht in den Träumen sehr wohl um Wünsche, und es geht um Konflikte ... Sicherlich werden Träume häufig angeregt durch „Brüche„ in unserem Leben, durch unerledigte Situationen und Projektionen - aber das tolle dabei ist - sie bieten auch immer Lösungen an; das kommt dadurch, daß das Material „automatisch" verknüpft wird mit vorhandenen Erfahrungen und Strukturen, ähnlichen Erlebnissen, kompensierenden Motiven, Grundmustern ... bis hin zu Archetypen. Träume sind sehr komplexe Geschehen, die jenseits unseres analytischen „Tagesbewußtseins„ sich einer Sprache bedienen, die ihrem Wesen nach synthetisch ist und die auf eine Entwicklungstradition zurückblickt die weit vor dem beginnt, als wir lernten abstrakte Begriffe zu gebrauchen.

2002_01_02_DER-TRAUM-UND-DIE-INNEREN-BILDERSprache der Träume

Streit und Verwirrung gehen um bezüglich der Sprache der Träume. Stellt die Traumsprache eine Chiffrierung dar, weil uns unser Unbewußtes seine Inhalte dem Bewusstsein nicht direkt zumuten will? Oder bedient sich das Unbewußte (und zwar ausschließlich das Unbewußte) einzig und allein dieser speziellen Darstellungsweise? - Und wie können wir uns dann überhaupt an Träume erinnern und damit umgehen, denn woran wir uns erinnern, worüber wir nachdenken ist nicht mehr unbewußt.... Geht es hier überhaupt primär um das Unbewußte? Wir wissen inzwischen, daß sich auch Märchen, Mythen usw. der gleichen Sprache bedienen und längst hat die Arbeit mit dieser Sprache Einzug gehalten in die Psychotherapie, u.a. mit dem Katathymen Bilderleben. Und diese Sprache ist nicht (jedenfalls nicht ausschließlich) die Sprache des Unbewußten, sondern die Bildersprache ist die Sprache des Bildbewußtseins, welches - älter als unser (kognitives) „Alltagsbewußtsein„ - parallel zu diesem dominanten Alltagsbewußtsein besteht. Der Autor B. Wicziok vertritt die Auffassung: Eigentlich sind sie gar nicht verschlüsselt, son dern Realität, aber für unser kognitives Denken wirkt die Bildsprache chiffriert. Das Träumen bedient sich der Bildersprache und bringt spezifische Teilbereiche unserer „Inneren Landschaft„ zum Ausdruck - zumeist wohl die „Bruchstellen„ wo es um Konflikte, Veränderungen usw. geht. Und im Prozeß des Träumens findet eine spezifisch Verarbeitung von Information, von Tagesresten statt - der Traum ist damit Träger der inneren Kommunikation. Durch spezielle Traumarbeit, und „Bildarbeit„ überhaupt, können wir diesen Prozeß interner Kommunikation unterstützen und verstärken. Dabei ist das Traumgeschehen Teil eines größeren Ganzen, welches ich „Innere Landschaft„ nenne. Diese wiederum ist der in Bildsprache konvertierter Ausdruck unserer gesamten inneren und äußeren Realität. „Das Denken in Analogien und Entsprechungen (Symbolen) ist eines der elementarsten Funktionen unseres Gehirns und stand uns bereits lange zur Verfügung, ehe wir die ersten Worte im Kleinkindalter brabbeln lernten. Es handelt sich also um eine Fähigkeit, auf die jeder Mensch zugriff hat - die Kunst besteht lediglich darin, heute vorherrschende Verarbeitungsmechanismen wie Logik und das Denken in Kausalitäten vorübergehend ausschalten zu können, und auf unsere innere Stimme zu achten, die sich Phantasien, Träumen und Emotionen bedient.,, aus: „Schlaf, Traum und Selbstfindung„ (auf NGFG e.V. - Homepage) Zentrale Erkenntnis aller Untersuchungen ist, daß es sich bei dem Phänomen der Entstehung von Bildern um einen spontanen, der Psyche innewohnenden Vorgang handelt. Ein Vorgang, der - wie auch an anderer Stelle erörtert - in der Evolution vor dem logischen Denken entstand und eben auch einige besondere, einzigartige Möglichkeiten für die Psyche beinhaltet. Wir rufen das Bilddenken nicht erst durch spezielle „Maßnahmen„ hervor oder „installieren„ nicht erst ein Bildbewußtsein - wir nutzen eine in der Psyche gegebene Funktion. Nach G. Bateson liegt der Fokus im Primärprozeß (also den speziellen Algorithmen des Unbewußten - oder besser vielleicht des Bildbewußtseins), nicht auf Dingen oder Personen, sondern auf den Beziehungen. Hinsichtlich der Traumarbeit folgt daraus auch, nicht nur auf die durch Bilder, Symbole dargestellten Inhalte, Dinge und Personen zu achten, sondern v.a. auf die Beziehungen derer untereinander... und inwieweit das Bild oder Szenario Beziehungen bzw. Beziehungsmuster des Träumers reflektiert. In diesem Kontext stehen auch die von Silberer so genannten funktionalen Traumelemente. - Nach Silberer haben einige Traumbilder funktionale Bedeutung. Er beschrieb sie als funktionale Traum- Phänomene. In diesen Traumbildern wird die jeweilige Verfassung oder Funktion der träumenden Psyche, der Zustand Bewußtseins abgebildet. Funktional deshalb, weil sie nicht auf die Inhalte des Bewußtseins Bezug nehmen, sondern auf die Art und Weise der seelischen Aktivität: freu - dig, gehemmt, flüssig, träge usw. Der Unterschied zwischen - und die Existenzberechtigung von... zwei „Sprachen" bzw. Bewußtseinsebenen beim Menschen resultiert also u.a. aus den Wesensunterschieden: die Wortsprache beschäftigt sich mehr mit Fakten, bei der Bildsprache eher mit Beziehungen. Ein Umstand, der dem Traum eine einzigartige Qualität verleiht sowie den Traum (und die Traumarbeit) unersetzlich macht. Der Umstand, daß das Bildbewußtsein sich bevorzugt auf Beziehungen richtet, bringt es in interessante Verbindung zum systemischen Denken, zum Systemansatz neuerer Wissenschaft ... Mit F. Capra wird die Psyche, wie das gesamte Universum verstanden als dynamisches Gewebe untereinander verbundener Geschehnisse. Die Aufmerksamkeit verlagert sich immer mehr von den psychischen Strukturen hin zu den Vorgängen. „Die menschliche Psyche wird nun als ein dynamisches System gesehen, dessen vielfältige Funktionen die Systemtheoretiker mit dem Phänomen der Selbstorganisation assoziieren." („Wendezeit" F. Capra) Zu Symbolen ist im ersten Beitrag „Unsere Inneren Bilder" schon einiges gesagt; hier vielleicht noch mal soviel: In grober Unterscheidung sollte im Hinblick auf die Traumarbeit zwischen persönlichen und archetypischen Symbolen differenziert werden. Dabei seien unter persönlichen Symbolen Bilder verstanden, die im Laute der persönlichen Entwicklung mit entsprechenden Erfahrungen verknüpft wurden und besondere Bedeutung erlangt haben, die somit mit Energie besetzt sind. Das Symbol an sich zeigt einen statischen Aspekt auf, von besonderer Bedeutung ist das Szenario - hier kommt ein dynamischer Aspekt zum Ausdruck. Traumsymbole können Fundstücke aus dem Alltagsleben sein oder aber Bedeutungsknoten im Seelenleben. Archetypen sind nach C.G. Jung ursprüngliche geistige Bilder, „ein übriggebliebenes Meer von Symbolen", die allen Menschen gemeinsam sind und sowohl in Märchen, Mythen und eben auch in Träumen lebendig sind; es sind grundlegende Erfahrungen, die die Menschen von Anbeginn an sammeln, wie die Erfahrung von Rhythmen, grundlegende Naturerfahrungen - wozu sicherlich auch das intuitive Erfassen von Naturgesetzen gehört. Und auch Erfahrungen ambivalenter Art im sozialen Zusammenleben, auf sozialer und psychischer Ebene überhaupt; so kennen wir hier z.B. den Archetyp des „Schattens", worin die dunklen Seiten unseres Ichs abgebildet werden, etwas das wir uns nicht eingestehen wollen oder ablehnen. Die „Große Mutter" steht für übergreifende Einheiten, die etwas Bergendes, Schützendes, Nährendes aber auch Verschlingendes beinhalten. Wir erinnern uns allerdings: Die Archetypen selbst sind nicht wahrnehmbar, sondern deren „Auswirkungen„ in Symbolen usw. Erich Fromm spricht in diesem Zusammenhang von universalen Symbolen, die in der Erfahrung eines jeden Menschen verwurzelt sind. C.G. Jung sagt: Jede Kultur hinterläßt die "Eindrücke" ihrer allerheiligsten Symbole, die am stärksten durch intensive Emotion oder Hingabe aufgeladen sind, ihre Gottesformen und ihre lebendige Mythologie. Bei Jung ist es das Kollektive Unbewußte - die keltisch -druidische Entsprechung sind „die Wasser von Annwn" - und Rudolf Steiner bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die „Akasha- Chronik"; D. Monroe faßt die verschiedenen Bezeichnungen zusammen und definiert sie als Sammelbecken bzw. Speicherbewußtsein für alle Handlungen und geistigen Eindrücke der Menschheit. Für Ihn stellen auch die Tuatha de Danann eine Art Archetyp dar und man schließt sich an diese "Batterie" über den Umgang mit den hinterlassenen Symbolen an, in diesem Fall die vier Schätze der Tuatha de Danann. Ein Archetyp ist im wesentlichen eine Erinnerung, die auch weiterbesteht, nachdem das Individuum oder die Gruppe, die sie hervorgebracht hat, nicht mehr existiert. Selbst nachdem die Kultur lange verschwunden ist, bleiben diese archetypischen Bilder intakt, wenn auch im Verborgnen ruhend, und können einfach dadurch wieder bewußt gemacht werden, daß man willentliche Energie in die immer noch existierende "Hauptverbindungslinie" lenkt, vor allem mittels visueller Vorstellungskraft. Es handelt sich hierbei um genau dieselbe "universelle Bildersprache", auf die sich Merlyn in seinen Lektionen bezieht.

2002_01_03_DER-TRAUM-UND-DIE-INNEREN-BILDERZu Funktionen und Bedeutung des Traumes

Träumen wird bisweilen eine recht ambivalente Bedeutung beigemessen; die Inhalte werden mit unbewußten seelischen Abgründen in Verbindung gebracht oder aber mit dem spirituellen Element, spiritueller Erkenntnis - die „Mitte„ kommt da wohl oft etwas kurz. Welche Funktion hat nun der Traum und welche Bedeutung kommt ihm zu? Auch bezüglich dieser Fragen gehen die Ansichten verschiedener Forscher auseinander, werden die verschiedensten Schwerpunkte gesetzt - und wiederum meine ich, daß sowohl das eine als auch das andere einbezogen werden soll: Träume sind Botschaften von uns an uns. Träume die bewußt werden, stellen einen Auftrag dar. Träume treten in häufig als Folge von realen Erlebnissen auf und dienen zur Verarbeitung von Konflikten und Tagesreste n, zur vertiefenden Erläuterung und zur erweiterten Kommentierung von real Erlebtem. Träume, spez. Traumserien, haben eine integrative Funktion - abgespaltene Teile werden schrittweise wieder integriert, ein Thema kann entwickelt werden: Verständnis für die Lebensgeschichte und Probleme wird erzeugt. Träume dienen der Wunscherfüllung und Kompensation. · Unser innerer Führer macht machen Probeerfahrungen (daß diese Funktion bei einem Teil der Träume eine Rolle spielt, erkannte neben A. Adler auch A. Maeder). · Träume können Hinweise auf Wandlungsmöglichkeiten beinhalten. · Wir kennen bestätigende und ermunternde Träume, warnende, mahnende, beschreibende Träume. · „Große„ Träume weisen auf Reifungsschritte hin. Träumen ist immer auch eine Art Informationsverarbeitungs- und Steuerungsvorgang innerhalb eines Systems; dient der Steuerung, Regulierung, Organisation, Entwicklung, Erhaltung, Transzendierung des Systems. Welche vergleichbaren Vorgänge kennen wir? Da wäre z.B. die vegetative Regulierung, d.h. in Abhängigkeit von inneren und äußeren Einflüssen/ Reizen wird der vegetative Lebensapparat gesteuert. Ähnlich wie die vegetative Regulierung läuft das Träumen auch ohne unsere Beachtung ab; die Bewusstwerdung allerdings verschafft uns hier wie da die Möglichkeit Ressourcen zu erschließen, Probleme zu erkennen, zu lösen oder zu vermeiden. Unter diesem Gesichtspunkt sind bewußt gewordene Träume wie körperliche Symptome - ein Hinweis aktiv zu werden. Traum gilt auch als Therapeut in uns. Träume die bewußt werden, sollten bewußt werden - wir sollen noch mal darüber nachdenken; wobei Träume uns formen, auch wenn sie nicht bewußt werden. Informationsverarbeitung und Problemlösung im Traum dient der Entwicklung und Festigung der Psyche. Über eines sollten wir uns in jedem Fall im Klaren sein: Jeder Traum hat eine Bedeutung, eine Botschaft und jeder Traum hat eine Wirkung. Die Bedeutung der Träume ist auch darin begründet, daß sie die „spontansten unserer Schöpfungen„ - wie F. Perls sie nennt - sind; wir können hier eine n recht authentischen Zugang zu unserem Wesen erlangen und so unmittelbar an unserer Entwicklung arbeiten - und zwar in allen Bereichen, in denen Traumszenarien angesiedelt sind: Beziehungen zu anderen Menschen, Aktivitäten mit Objekten, dem Selbst, dem spirituellen Bereich.

Zur Praxis der Traumarbeit

Die aktive Arbeit mit Träumen konzentriert sich auf Techniken im Umgang mit Trauminhalten, auf Weiterführung des Themas, einschließlich Trauminkubation sowie auf die Erinnerbarkeit der Träume. Vom einfachen Erinnern bis hin zu speziellen Verfahren - der Traum kann auf vielfältigste Weise Einzug halten in unseren Alltag - und er kann dabei durchaus zum Wohlbefinden beitragen; umgekehrt kann ein Ignorieren der Traumbotschaft auch nachteilige Folgen haben - oder wir versäumen zumindest eine Entfaltungsmöglichkeit. Durch das einzigartige Wesen des Träumens bzw. des Bildbewußtseins ist es möglich Ressourcen zu erschließen. Um es noch einmal zu betonen: Träume sind sehr komplexe Gebilde. Dementsprechend können und müssen die Träume aus verschiedenen Perspektiven heraus erschlossen werden und es gilt verschiedene Bedeutungsschichten zu erschließen. Ich halte die Betrachtungsweise von B. Wicziok für sehr praktikabel. Er unterteilt vier Betrachtungsebenen: Die Ebene des Vortagesrests, die des lebensgeschichtlichen Hintergrunds, die Symbolebene, die „vierte Dimension (spirituelle Ebene). Auf allen Ebenen sind weitere Differenzierungen möglich bzw. nötig. Die vielfältigen Möglichkeiten mit einem Traum zu arbeiten scheinen zunächst recht verwirrend. In der Praxis werden wir natürlich kaum auf alle Möglichkeiten und Sichtweisen zugreifen; dennoch erscheint ein multidimensionales Herangehen am erfolgversprechendsten; d.h. das Traumgeschehen von verschiedenen Standpunkten, theoretischen Ansätzen, verschiedenen Ebenen aus betrachten. Welches der optimale Weg ist hängt von verschiedenen Dingen ab und wird sich oft nach kurzer Zeit selbst offenbaren. Welche Techniken, Methoden zur Anwendung kommen hängt nicht zuletzt auch von den Voraussetzungen (Einstellungen, Fähigkeiten, bisherige Erfahrungen) beim Klienten ab. Insofern der Traum ein mehrfach determiniertes Geschehen ist, richten wir unsere Aufmerksamkeit bezüglich des Traumes (ggf. nacheinander) auf das einzelne Motiv (als Symbol oder Realobjekt?), ein Szenario, einen einzelnen Traum, eine Traumserie, die mit dem Traumgeschehen verbundenen Emotionen, auf Motive, auf Inhalte / Themen der Träume bzw. Traumserien. In der Regel wird eine Verfahrensweise im Mittelpunkt stehen, aber verschiedenste Techniken als „Stützen„ mit herangezogen. Obgleich Deutung - wie schon mehrfach betont - nicht der Königsweg der Traumarbeit sein kann, und schon gar nicht die Deutung durch Außenstehende, so sollte doch nicht völlig auf entsprechende Techniken verzichtet werden. Allerdings sprechen wir besser von Interpretation - und der Träumer sollte schon beteiligt sein. Dieser Interpretationsaspekt beruht auf den besonders von Jung betonten Vorstellungen von der Allgemeingültigkeit bestimmter Symbole, dies auf der Grundlage der Archetypen. Gerade beim Auftreten archetypischer Muster, bietet sich also eine (vorsichtige) Deutung durchaus an. Im übrigen würden ohne diese Allgemeingültigkeit solche Verfahren wie das Katathyme Bilderleben nicht funktionieren. Wilhelm Stekel favorisiert für die Traumarbeit das unmittelbare intuitive Verstehen als Zugang zu den Symbole - ausgehend davon, daß (wie auch hier immer wieder betont) die symbolische Sprache die ursprüngliche Sprache der Menschen ist. In jedem Fall haben wir bei der Symbol-Übersetzung auf Zusammenhang und Kontext des Auftretens sowie des persönlichen Bezugs zu achten, denn erst daraus ergibt sich die korrekte Bedeutung.

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Neben der Symbolinterpretation achten wir besonders auf die Zusammenhänge (Beziehungen) zwischen einzelnen Bildern, die Dynamik des Traumes - speziell wenn Traumsequenzen häufiger erscheinen, ist an den lebensgeschichtlichen Hintergrund zu denken. Wo immer möglich arbeiten wir mit der Einbettung des Einzeltraumes in das längerfristige Traumgeschehen. Was vom Traum zuerst erinnert, erzählt wird ist in der Regel von besonderer Bedeutung indem es den Rahmen liefert. Aber auch das Ende des Traumes ist von besonderem Interesse, da hier die Lösung versteckt ist. Generell ist bei der Betrachtung der Trauminhalte an zwei Perspektiven zu denken, die der Subjektstufe und die der Objektstufe So kann ein bestimmtes Motiv real existierende Personen oder Gegenstände, Aspekte, Lebensumstände usw. darstellen; ein Motiv, jedes Details des Traumes kann aber auch als Ausdruck von Persönlichkeitsteilen verstanden werden, Projektionen unbewußten Materials auf das entsprechende Objekte, als Versinnbildlichung von Subpersönlichkeiten, personifizierte Züge der Persönlichkeit des Träumers, Ausdruck innerer Befindlichkeiten. Die Arbeit auf der Subjektstufe hat auch in der Gestalttherapie besondere Bedeutung; hier allerdings wird jeder im Traum erscheinende Gegenstand oder Charakter als ein Bereich betrachtet, der der Persönlichkeit des Träumenden abhanden gekommen ist, den es wieder zu integrieren gilt. Jedenfalls sollten wir bei der Arbeit immer in Betracht ziehen, daß das Dargestellte nicht unbedingt etwas sein muß, das in besonderem Maße vorhanden ist sondern benötigt wird. Interessant ist auch, die Traumarbeit, speziell beim Einsatz zur Aufarbeitung konkreter Problemstellungen, mit anderen Verfahren zu kombinieren ; hier v.a. mit gestalttherapeutisehen Techniken. Es stehen die verschiedensten Techniken zur Verfügung, um das Traummaterial zu erinnern und aufzuarbeiten. Ohne einzeln darauf eingehen zu können seien einige Techniken verschiedener Autoren und eigene Überlegungen genannt - wobei die einzelnen Autoren nicht vollständig übereinstimmen, aber es zeichnen sich Gemeinsamkeiten ab: Die Deutung von Symbolen wurde bereits besprochen. Die Objektivierung des Traums beinhaltet auch Fragen wie: Welche Bilder, Motive usw. lasen sich differenzieren, welche davon kommen möglicherweise häufiger vor? Welche Hauptsymbole lassen sich beschreiben? Wie verhält sich das Traum-Ich? Was ist das Thema des Traumes, welche Überschrift könnte man ihm geben - was könnte demzufolge das Anliegen sein? Wichtig ist die Frage, mit welchen Gefühlen die Bilder und Szenarien besetzt sind; das Gefühl hat stets Vorrang vor der Interpretation. Techniken der Symbolvertiefung, Amplifikation, Assoziation dienen der Erschließung der Symbolbedeutung. Schlüsselfragen zum Traum helfen dessen Bedeutung zu erfassen. Zwiegespräche mit Traumelementen entsprechen einem gestalttherapeutischen Arbeiten. Weiterhin können wir fragen: Nach der Perspektive des Traumes (Subjektstufe / Objektstufe - Symbol- Realobjekt). Sind Szenarien erkennbar? Gehört der Traum zu einer Serie? Welche Beziehung haben die Elemente zueinander? Um Träume zu verarbeiten, bzw. das Thema weiterzuentwickeln eignen sich der künstlerische Ausdruck, Meditation zum Traum, die Trauminkubation. Nun besteht natürlich die Gefahr, daß bei übermäßigem, „technischem„ Herangehen der Traum bzw. die Teile dabei zur Projektionsfläche werden und ihnen erst im Rahmen der Traumarbeit eine bestimmt, neue Bedeutung zugeschrieben wird, die sie im eigentlichen Traum nicht hatten. Wir müssen vermeiden, daß die ganz spezifischen Wesensmerkmale und innere Dynamik des konkreten Traumes überdeckt werden und die eigentliche „Wirksubstanz,,, die ihm innewohnenden Kräfte verloren gehen. Noch ein paar Worte zu den höchst bedeutsamen Alpträumen: Bei Alpträumen wird oft der kompensatorische Charakter der Träume deutlich - so kann z.B. Sorglosigkeit im Alltag zu Alpträumen führen. In diesem Sinne kann der Alptraum auch als spezifisches Szenario angesehen werden. Alpträume sind oft ein Hinweis darauf, womit wir uns beschäftigen sollten; solange wir dies nicht tun, werden sie uns die Probleme immer wieder vor Augen halten. Dabei kann der wiederkehrende Traum auch das Ergebnis einer unvollständigen Gestalt sein. Diese Träume weisen auf Löcher in der Persönlichkeit hin - z.B.: was im Traum fehlt, fehlt auch im Leben. Im Traum werden projizierte Aggressionen Alpträume. Träume mit projizierter dentaler Aggression sind bezeichnend für Introjektoren. F. Perls: „Besonders, wenn wir diese Alpträume haben - das sind die echten Selbstverhinderungsträume - und aufhören, uns selbst zu frustrieren, uns selbst in die Parade zu fallen, dann fangen wir an aufzublühen, kommen mit der Welt in Kontakt und so weiter.,, Wir könne davon ausgehen, daß in allen Träumen Traumhelfer sind, man muß sie / ihn finden. Wir haben bereits festgestellt, daß der Traum immer auch die Beziehungen ausdrückt, die der Träumer zu sich selbst, seinem Körper, einem anderen Menschen oder der Welt hat. Die Traumarbeit nun ist in besonderem Maße darauf gerichtet dem Betroffenen zu helfen sich über diese Beziehungen bewußt zu werden und Beziehungsmuster verstehen. Zur der Traumarbeit kann man verschiedene organisatorischen Rahmen wählen (als Klient, in einer selbstorganisierenden Traumgruppe, selbständig). Natürlich kann jeder sich selbständig mit seinen Träumen befassen - es empfiehlt sich Traumarbeit mittels Helfer zu leisten, um so blinde Flecken zu finden und zu bearbeiten.

"Eines Tages träumte ich, ich sei ein Schmetterling, der hierhin und dorthin flatterte, mit all den Absichten und Wünschen eines Schmetterlings. Ich war mir bewußt, als ein Schmetterling meinen Neigungen zu folgen, und ahnte nichts von meiner Individualität. Plötzlich war ich erwacht, und dort lag ich nun und war wieder ich selbst. Nun weiß ich nicht: War ich ein Mann, der träumte er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der nun träumt, er sei ein Mann?"

 

Bernd Uhde
Psychologischer Berater
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