Rezensionen

GLÜCKSMOMENTE – GESCHICHTEN VOM LEBENSENDE
Manchmal fehlen einem die Worte. Manchmal ist die Stille auch die Antwort. Für Ehrenamtliche in der Hospizarbeit ist es herausfordernd, die rechte Form der Kommunikation zu finden, um den „Erfahrungsraum der Endlichkeit“ würdevoll zu füllen.
Die 71 kurzen Geschichten von Astrid Steinmetz liefern Denkimpulse und schaffen berührende Momente, die auch am Ende des Lebens zu tiefer Verbundenheit und Resonanz führen können.
Am Ende jeder Geschichte finden sich kurze Reflexionsimpulse. So kann die Botschaft der Geschichte individuell eingeordnet werden. Wundervolle Bilder von Klienten und Musikstücke, die per Barcode abzurufen sind, ergänzen die Geschichten.
Im Rahmen der Supervision haben wir uns im Koblenzer Hospiz mit der Geschichte „Neubeginn“ auseinandergesetzt. Beim Vorlesen hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Die letzten Worte wurden um eine lange Stille vertieft, so dass die Reflexionsfrage ihre volle Wirkung entfalten konnte: „Stell dir vor, du schreibst nur einen einzigen Brief. An wen wäre er gerichtet, und was müsste unbedingt darinstehen?“ Die Antworten waren sehr berührend und ermöglichten einen tiefen, vertrauensvollen Austausch in der Supervisionsrunde. Die Geschichte „Neubeginn“ ermöglicht einem Klienten, Unausgesprochenes zu Papier zu bringen, wenn zum Beispiel der Kontakt zu Familienangehörigen abgebrochen ist. Das Aufschreiben von Gedanken führt zurück in die Handlungsfähigkeit. Das Hinterlassen von Worten über den Tod hinaus kann Hoffnung wecken.
Ob „Maueröffnung“, „Grenzgebiet des Lebens“ oder „Die wiedergefundene Seele“ – die „Geschichten vom Lebensende“ bieten eine Quelle authentischer Erzählungen, die sowohl in der letzten Phase als auch mitten im Leben eine wundervolle Ressource sind. Astrid Steinmetz, Carl-Auer Verlag

REG DICH AB! ENDLICH SCHLUSS MIT ÄRGER, WUT UND FRUST
„Wir leben in einer Zeit der Katastrophisierung“, heben die Autoren hervor. Andere sprechen von einer Empörungsgesellschaft. Grund, sich zu ärgern, wütend zu werden und frustriert zu sein, gibt es offenbar genug. Aber ändert das etwas, außer an der Höhe unseres Blutdrucks?
Das Buch liefert einen 10-Punkte-Plan, der bei der emotionalen Selbstregulation helfen kann. Im Kern geht es um Impulskontrolle: „Man nimmt die Dinge, die geschehen, hin, ohne sich vom Stress und von der Unruhe überwältigen zu lassen.“ Gelassenheit und Emotionskontrolle geschehen in unserem Kopf, stellen die Autoren heraus. Dafür muss man die Aufregung verstehen. Als Modell dazu dient das Bild einer Wippe. Wenn Körper, Gefühle und Gedanken im Gleichgewicht sind gelingt die Regulation. Geraten sie in Dysbalance und scheitern die Bewältigungsversuche entsteht Stress. Der auslösende Reiz durchläuft drei Bewertungsfilter: die grundsätzliche Einordnung nach Relevanz bzw. Irrelevanz. Der zweite Filter checkt unsere Ressourcen: Komme ich damit
klar? Und der dritte Filter bewertet die Situation neu:
„Achtung, gefährlich“ oder „Bekomme ich geregelt“.
An dieser Stelle entscheidet sich dann der weitere
Eskalationsverlauf.
Der 10-Punkte-Plan erstreckt sich von der Entwicklung eines individuellen Stressfühlers über die Analyse unserer Triggerpunkte und die Kalibrierung unseres Bewertungsfilters bis zur Identifikation persönlicher Ärger-Muster. In jedem der zehn Schritte liefern die Autoren eine Fallgeschichte aus der Praxis und konkrete Übungsanleitungen. Ein Beispiel hierfür ist das Visualisieren einer Ärger-Mindmap: Was bringe ich alles mit dem Auslöser in Verbindung? Welche Zusammenhänge werden deutlich?
Die Autoren plädieren dafür, sich für den Prozess der Selbstregulation ausreichend Zeit zu reservieren. Anstatt sich über das Tempo zu ärgern sollten wir uns einen neuen Rahmen suchen, der eine Neubewertung ermöglicht. So könnten wir auch im Stau stehen und die Langsamkeit als Gelassenheitsübung nutzen. Außerdem können Verbündete dabei helfen, die Ziele konsequent zu verfolgen und auch Etappenziele gebührend anzuerkennen.
Das Buch lohnt sich, auch in unruhigen Zeiten in Ruhe gelesen zu werden. Ob im Selbststudium oder als begleitende Lektüre im Rahmen eines Coachings, es ist eine Wut-, aber mit Sicherheit keine Spaßbremse. Prof. Dr. Manfred Schedlowski & Gabi Miketta, Penguin Verlag
KLEINANZEIGEN
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