Im Gespräch - Energiemedizin bei psychischen Störungen
INTERVIEW MIT DR. MED. SUZANNE VON BLUMENTHAL, FACHÄRZTIN FÜR PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERAPIE
Psychische Störungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Etwa 28% der Erwachsenen und 25 % aller Kinder und Jugendlichen sind betroffen. Besonders häufig sind Angststörungen und Depressionen. Doch nicht immer führen Psychotherapie oder Psychopharmaka zum gewünschten Erfolg.
Für Dr. Suzanne von Blumenthal, langjährige Chefärztin einer Schweizer Psychiatrieklinik, war das Anlass, nach neuen ergänzenden Behandlungsmöglichkeiten zu suchen. Fündig wurde sie in der Psychosomatischen Energetik (PSE) und der Logosynthese – zwei Verfahren aus der Energiemedizin, die sich besonders in der Behandlung von Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Störungen bewährt haben.
Dr. med. Suzanne von Blumenthal
Psychiaterin und Psychotherapeutin mit jahrelanger klinischer Tätigkeit und Leitungsfunktion in den psychiatrischen Diensten Graubünden (Schweiz) bis 2017. Zu ihren Aufgaben gehörte die Einführung komplementärmedizinischer Verfahren in die Psychiatrie. Seit 2017 Leiterin des Instituts für Logosynthese. Mitglied des Vorstands der Internationalen Gesellschaft für Psychosomatische Energetik.
Frau Dr. von Blumenthal, wie sind Sie zur Energiemedizin gekommen?
Ich habe über viele Jahre gesehen, dass klassische Psychotherapie und Medikamente zwar hilfreich sind, aber längst nicht allen Patienten wirklich nachhaltig helfen. Vor allem bei wiederkehrenden Ängsten, Depressionen oder chronischem Stress bleiben viele im gleichen Kreislauf stecken. Das hat mich motiviert, nach Verfahren zu suchen, die tiefer ansetzen – auf der Ebene von Energie und Bewusstsein.
Was verstehen Sie unter Energiemedizin in der Psychotherapie?
Energiemedizin geht davon aus, dass alles – auch unser Körper und unsere Psyche – letztlich Energie ist. Wenn Energie frei fließt, sind wir gesund, kreativ und emotional stabil. Wird sie blockiert, entstehen Symptome – körperlich wie psychisch. Verfahren wie die PSE und die Logosynthese helfen, solche Blockaden zu erkennen und zu lösen. So kommt die Lebensenergie wieder in Fluss und Selbstheilung kann geschehen.
Wie reagieren Ihre Patienten auf energetische Verfahren wie die PSE oder Logosynthese – insbesondere, wenn sie zuvor eher schulmedizinisch orientiert waren?
Die Reaktionen sind überwiegend sehr positiv. Zwar begegnen manche Patienten den energetischen Verfahren zunächst mit Skepsis, doch diese weicht meist rasch, sobald sie die Wirkung selbst erfahren. Oft zeigen sich erste positive Veränderungen bereits nach ein bis zwei Wochen. Ein weiterer Vorteil ist, dass andere Behandlungen – etwa die Gabe von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln – parallel fortgeführt werden können.
Wie funktioniert PSE?
Die PSE ist ein kinesiologisches, gerätegestütztes Verfahren. Damit kann das Energiefeld des Patienten auf vier Ebenen getestet werden – der Vital-, Emotional-, Mental- und Kausalebene. Wenn Abweichungen auftreten, steckt oft ein unbewusster Konflikt dahinter. Dieser Konflikt wird mit speziell abgestimmten homöopathischen Komplexmitteln gelöst – ich nenne das gern „Psychotherapie in Tröpfchenform“. Die Energie kann dann wieder frei fließen, und blockierte Selbstheilungsprozesse werden aktiviert.
In welchen Fällen setzen Sie PSE ein?
Sehr gute Ergebnisse sehe ich bei Burnout, Depressionen und Angststörungen, aber auch bei Schizophrenie, beginnender Demenz oder Suchterkrankungen. Die PSE kann helfen, das vegetative Nervensystem zu stabilisieren – also genau den Bereich, der bei psychischen Störungen häufig aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Darüber hinaus hat sich die PSE als Türöffner für die Bearbeitung tiefer liegender Konflikte bewährt. Viele Menschen, die zunächst keinen Zugang zu ihren Gefühlen finden oder sich schwer auf Gesprächstherapien einlassen, können durch die energetische Arbeit oft erstmals spüren, dass sich etwas in ihnen bewegt. Das schafft Vertrauen – und öffnet den Weg für tiefere therapeutische Prozesse.
Auch bei Patienten, die eine Psychotherapie zunächst ablehnen, setze ich die PSE gerne ein. Sie empfinden die Methode als sanft, nicht konfrontativ und zugleich wirkungsvoll. Häufig entsteht daraus im Verlauf die Bereitschaft, sich später auch auf psychotherapeutische Verfahren einzulassen.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist das Auflösen von Glaubensmustern, die unbewusst das Denken und Fühlen prägen. Solche inneren Überzeugungen – etwa „Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich darf mich nicht zeigen“ – können enorme Kraft binden und psychische Symptome verstärken. Glaubensmuster spielen bei Ess- und Persönlichkeitsstörungen häufig eine Rolle. Die PSE hilft, diese Muster zu erkennen und energetisch zu lösen, sodass sich das Selbstbild und das emotionale Erleben verändern können.
Nicht zuletzt hat sich die Methode bei der Medikamententestung bewährt: Ich teste Psychopharmaka mit der PSE vor der Verordnung und finde in 95 % der Fälle das passende Präparat. Das reduziert Nebenwirkungen und stärkt das Vertrauen der Patienten.
Welche Rolle spielt Stress dabei?
Stress ist tatsächlich einer der zentralen Krankheitsfaktoren unserer Zeit. Über die Amygdala, das „Angstzentrum“ im Gehirn, löst Stress eine ganze Kaskade von Reaktionen aus – bis hin zu Schlafstörungen, Bluthochdruck, Magenbeschwerden oder Depressionen.
Mit der PSE lässt sich dieser Kreislauf durchbrechen. Indem wir das vegetative Nervensystem stabilisieren, können sich auch die psychischen Symptome beruhigen und vegetative Begleitsymptome abgeschwächt werden. Viele Patienten berichten schon nach wenigen Sitzungen über mehr Ruhe, Energie und emotionale Stabilität.
Sie arbeiten auch mit der Logosynthese. Was unterscheidet sie von der PSE?
Die Logosynthese ist ein weiteres energetisches Verfahren, das ich vor allem bei Ängsten, Phobien oder starken Stressbelastungen einsetze. Sie wurde von Dr. Willem Lammers entwickelt. Ein definiertes Protokoll klärt das Thema, aktiviert eine schmerzhafte Erinnerung oder Vorstellung und neutralisiert diese gespeicherte Wahrnehmung durch Worte respektive drei formelhafte Sätze. Diese wirken durch Neuorganisation von gespeicherten Erinnerungen oder Vorstellungen, ähnlich wie in der Hypnotherapie. Körperreaktionen, Emotionen oder kognitive Reaktionen werden abgespalten von der gespeicherten Wahrnehmung. Dadurch bleiben diese Wahrnehmungen als neutrale Erinnerungen gespeichert – der Stress lässt sofort nach. Das führt meist zu einer spürbaren Entspannung: weniger Angst, ruhigerem Puls und freierem Atmen.
Wie ergänzen sich PSE und Logosynthese in Ihrer Praxis?
Sehr gut. Die Logosynthese ist ideal, wenn schnelle Hilfe gefragt ist – etwa bei akuten Ängsten oder Panikattacken. Die PSE ist eher langfristig ausgerichtet und kann tiefere, oft alte Konflikte lösen.
Im Rahmen der Psychotherapie nutze ich die Logosynthese als ein sehr wirksames und nachhaltiges Modell, um alte Traumata, Kindheitsprägungen, schwierige Beziehungserfahrungen, Verluste und Trennungen zu bearbeiten. Auch bei komplexen körperlichen Reaktionen wie chronischen Schmerzen, Long-Covid oder ADHS hat sich die Methode eindeutig bewährt.
Häufig kombiniere ich beide Verfahren: Die Logosynthese verschafft Erleichterung im Moment, während die PSE die Grundlagen für eine nachhaltige Stabilisierung schafft. Manchmal öffnet sich ein Patient durch die PSE überhaupt erst so weit, dass er für andere Therapien zugänglich wird. So können tiefer liegende, unbewusste Konflikte mit Logosynthese auf einer individuellen Ebene gelöst werden.
Wie lassen sich diese energetischen Methoden mit der Schulmedizin und Psychotherapie verbinden?
Sie passen hervorragend zusammen. Psychopharmaka können in akuten Phasen den Körper stabilisieren, während PSE und Logosynthese die Ursachen auf energetischer Ebene bearbeiten. Auch mit klassischer Psychotherapie lassen sich beide Verfahren kombinieren. Ich sehe sie nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung – jeder Ansatz hat seine Zeit und Wirkung.
Gibt es bestimmte Voraussetzungen oder Kontraindikationen, bei denen Sie von einer Anwendung der PSE oder Logosynthese abraten würden?
Grundsätzlich nicht. Voraussetzung ist lediglich, dass sich der Patient auf die Methode einlassen kann – wie bei jeder anderen Therapie auch. Da der Ansatz sehr anders ist als in der Schulmedizin, braucht es manchmal etwas Zeit, um Vertrauen in die Wirksamkeit und die Anwendung aufzubauen. Entscheidend ist eine stabile Therapeut-Patient-Beziehung – ohne sie kann kein Verfahren nachhaltig wirken. Eine eigentliche Kontraindikation gibt es nicht. Beide Methoden können sogar bei Kindern und in der Tiertherapie erfolgreich angewendet werden.
Was empfehlen Sie Kollegen, die sich für Energiemedizin interessieren?
Offen zu bleiben. Viele Patienten wünschen sich heute sanfte, ganzheitliche und nachhaltige Verfahren – und die Energiemedizin bietet hier großartige Möglichkeiten. Sie erweitert das therapeutische Spektrum enorm. Für mich sind PSE und Logosynthese inzwischen ein unverzichtbarer Teil meines Handwerkszeugs – und auch Ausdruck meiner Haltung gegenüber dem „System Mensch“ und seiner Verbindung zur Umwelt. Letztlich geht es darum, die Selbstheilungskräfte zu unterstützen, damit der Mensch im Alltag besser zurechtkommt und mehr Selbstverantwortung übernimmt.
Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für die Zukunft – etwa in Bezug auf Forschung, Ausbildung oder die Integration energetischer Verfahren in die psychotherapeutische Praxis?
Die Wirksamkeit energetischer Verfahren lässt sich bereits durch vielfältige Praxiserfahrungen gut belegen. Dennoch wäre es wünschenswert, diese Erkenntnisse durch wissenschaftliche Studien systematisch zu untermauern. Ebenso wichtig ist es, energetische Konzepte stärker in psychotherapeutische und medizinische Ausbildungen zu integrieren – vor allem in Bereiche, die persönliche Entwicklung und Lernen fördern und unterstützen.
Frau Dr. von Blumenthal, herzlichen Dank für das spannende Gespräch.
SEMINAR-TIPP
Wer die Psychosomatische Energetik (PSE) kennenlernen möchte, hat dazu am 14./15. März Gelegenheit: An der Paracelsus Gesundheitsakademie Augsburg findet ein Wochenendseminar mit Frau Dr. Petra Ottmann statt, in dem die Grundlagen und die praktische Anwendung vermittelt werden. Das Angebot richtet sich an Fachkräfte aus medizinischen und psychotherapeutischen Berufen. Weitere Informationen und Anmeldung:

Andreas Beutel
Heilpraktiker mit langjähriger Erfahrung an der Schnittstelle von Naturheilkunde, Fachverlagswesen und Medienarbeit, Buchautor und Dozent

Nachtrag zur Ausgabe 06.2025: Das Buch „Meine eigene logopädische Praxis“ der Autorin Anja Mannhard (Seite 36) ist vergriffen. Restexemplare für 20,- Euro inkl. Versand können Sie bestellen bei