Was wissen Sie über Ihre Geburt?

Die bei der Anamnese erfolgte Datenerhebung rund um die Geburt fördert oft erstaunliche Dinge zu Tage, ohne die spätere Leidenszustände unserer Patienten unverständlich bleiben. Die Folgen des Einsatzes von Medikamenten vor und während der Geburt werden anhand von Beispielen erläutert.


ERWACHSENE MIT SYMPTOMEN, DIE PRÄNATAL ODER GEBURTSBEDINGT VERURSACHT WURDEN

Ich berichte von Patienten, die meist mit einem Lebensbewältigungsproblem kommen und sich dann zusätzlich eine mangelhafte Schwangerschafts- oder Geburtsbegleitung herausstellt. Nicht lebensrettende Maßnahmen, sondern sorgloser Umgang mit Medikamenten oder Unwissenheit über das hochsensible Ungeborene sind die Ursache für zurückgebliebene Symptome. Dass Symptome ursächlich mit der Geburt im Zusammenhang stehen, kristallisiert sich in therapeutischen Prozessen nach und nach heraus.

Beispiel 1: Junges Mädchen fällt häufig in Ohnmacht

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Ein sechzehnjähriges Mädchen möchte Polizistin werden. Sie ist kräftig gebaut und steht mitten im Leben. Doch da gibt es ein kleines Handicap: Immer, wenn sie Blut sieht, Nasenbluten oder eine kleine Schnittwunde, fällt sie in Ohnmacht. Begonnen hatte das zeitgleich mit dem Beginn ihrer Menstruation. Da war sie zwölf Jahre alt. Ich fragte u. a. natürlich nach der Geburt oder ob in früher Kindheit etwas passiert sein könnte, bei dem Blut eine Rolle spielte. Denn der Auslösereiz für diese Ohnmachten, der Trigger, war ja schon identifiziert. Es gab keinerlei Hinweise, die uns weiterbrachten. Ich entließ das Mädchen mit der Aufgabe, die Eltern genauestens zu befragen. Beim zweiten Termin kam ihre Mutter gleich mit. Ich setzte dieser auseinander, dass ein Symptom mit einem klar identifizierten Auslösereiz auf ein reales Geschehen zurückzuführen sein müsse. Ich fragte, ob im Zusammenhang mit der Geburt, davor oder danach irgend etwas vorgefallen sei. Die Mutter verneinte, sie könne sich an nichts erinnern. Erst als ich ganz beharrlich bei meiner Auffassung blieb und ihr die neurologischen Funktionen von Erinnerungssymptomen noch einmal erklärte, lenkte sie ein. "Im siebten Monat, als ich zur Vorsorge ging, schlug mir mein Gynäkologe vor, eine Zerklage (1) zu legen. Er sagte, das wäre mit einer kleinen Vollnarkose schnell gemacht, es wäre nur zur Sicherheit." Einen konkreten Anlass hatte es nicht gegeben. Die Frau hatte auch gar nicht groß Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Allerdings hatte sie ihr erstes Kind verloren. Dann war ein gesunder Junge geboren worden und diese war nun nach vier Jahren ihre dritte Schwangerschaft.

Die knappe Reaktion der Tochter auf diese neue Information: "Das passt." Beim dritten Termin, vier Wochen später, berichtet sie, beim Sport habe sich ein Spieler eine blutige Lippe geholt und sie sei nicht in Ohnmacht gefallen. Die sog. Ohnmachten des jungen Mädchens waren die Erinnerungen an einen künstlichen Schlaf. In diesem Fall brauchte nur eine Informationslücke geschlossen zu werden. Ein gesuchtes und gefundenes Puzzlestück reichte, um das Symptom überflüssig zu machen.

Beispiel 2: Eine Geburt wird durch Wehenhemmer gestoppt

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Ein 42-jähriger Patient, Vater von zwei heranwachsenden Kindern und Hausmann, bringt eine komplexe Geschichte mit. Auffällig sind sein leises Sprechen und Gedankenabrisse. Er bearbeitet seine stark gestörte Beziehung zu seiner Mutter. Langsam kommt er mit seinen Gefühlen besser in Kontakt.

Stimme, Mimik und Gebärden bekommen Konturen. Er orientiert sich beruflich neu, bereitet sich auf eine erste Prüfung vor und fällt durch. Während der folgenden therapeutischen Aufarbeitung der Prüfungssituation kommt es zu ausgeprägten Körpererinnerungen. Die Umstände seiner Geburt waren bekannt, sie rücken erstmals ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit.

Seine Mutter war ins Krankenhaus gegangen, als die Wehen schon regelmäßig kamen. Da die Kreißsäle alle besetzt waren, musste sie auf dem Flur liegen und warten. Sie bekam Wehenhemmer, wartete und wartete. Es sei ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen, habe sie einmal erzählt. Als wieder Platz in einem der Kreißsäle war, gab man ihr nun Wehen fördernde Medikamente. Trotzdem will die Geburt nun nicht in Gang kommen. Sie stagniert. Am Ende, nach vielen Stunden, wird das Kind mit der Saugglocke geholt. Bei der Regressionsarbeit (2) spannt sich der Patient bis zum Äußersten an, es ist wie ein Sichaufbäumen. Dann fällt er in sich zusammen. Es gibt kein Vorankommen. Gefühle von Resignation und Enttäuschung stellen sich ein.

Solch ein körperliches und gefühlsmäßiges Nacherleben unter der Regression passiert von selbst. Es muss nur geschehend zugelassen werden. So ist es möglich, dass neurologisch gespeicherte Erlebnisse – samt vegetativer und gefühlsmäßiger Anteile – bei vollem Bewusstsein noch einmal erlebt werden.

Der Patient kann den Bezug zu seiner Prüfungssituation sehen. Seine Deutung nach dieser Sitzung klingt wie sein Lebensmuster: "So ist es immer gewesen: Ich strenge mich an und kämpfe mich vorwärts und lerne und konzentriere mich, und wenn es drauf ankommt, bremst mich irgendetwas, ich verliere den Faden und versage."

Die Interpretation des Patienten legt nahe, dass er als Kind seine Geburtssituation nicht neutral erlebt, sondern als unbegreifliches ihn ausbremsendes Geschehen bewertet. Seine Worte bestätigen das. In der prägenden Erinnerung an seine Geburt könnte also der Schlüssel für sein permanentes Versagen in Prüfungssituationen seit der Schulzeit liegen.

Beispiel 3: Ursachen für Schmerzen und Krämpfe

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Eine Frau kommt, um die Gründe für die misslungene Geburt ihres Sohnes vor acht Monaten herauszufinden. Sie möchte gern ein zweites Kind haben und davor hat sie Angst. Einen entscheidenden Aspekt sieht sie darin, dass sie sagt, sie habe die Schmerzen einfach nicht mehr ertragen können. Das sei sowieso ihr Schwachpunkt. Es stellt sich dann heraus, dass sie ihre Menstruation nie ohne Schmerzmittel übersteht und das sie immer einen Tag ausfällt, wenn es so weit ist.

Ihre eigene Geburt von 1968 rückt in den Mittelpunkt. Die Mutter der Patientin fordert den Entlassungsbericht des damaligen Krankenhauses an und sie hat Glück.

Der Bericht ist aufschlussreich: Klinikaufnahme am 29. Februar 1968, ohne Wehen, keine Übertragung. 1. März zwischen 8 und 12 Uhr morgens drei Ampullen Syntocinon, über den Wehentropf. Um 12 Uhr intravenös eine Ampulle Syntocinon. Geburt zehn Minuten später.

Warum ist diese Informationen wichtig? Die Produktbeschreibung des Herstellers sagt erstens, dass manchmal, nach der Geburtseinleitung mit Syntocinon krampfartige Zustände bei Babys postnatal beobachtet werden. Zweitens: Intravenös dürfe Syntocinon nie (!) gegeben werden. Genau das geschieht aber um 12 Uhr. Um 12.10 Uhr ist das Kind dann geboren. Das heißt: 75 % des Medikamentes wurden verteilt auf vier Stunden gegeben. 25 % der Gesamtmenge, intravenös verabreicht, bewirken die Geburt innerhalb von zehn Minuten. Die Mutter muss genäht werden, ein deutliches Zeichen dafür, dass es in der Endphase viel zu schnell ging.

Folgende Frage im Blick auf meine Patientin stellt sich: Kann das damalige Baby evtl. selbst schmerzhafte Kontraktionen in seiner kleinen Gebärmutter erlebt haben? Dann hätten wir hier eine Ursache für die außergewöhnlichen Schmerzen bei der Patientin gefunden.

Wir hätten es bei dieser Patientin wieder mit einem Erinnerungs-Symtom zu tun. Der damalige Schmerz wäre im Gedächtnis des damaligen weiblichen Babys gespeichert, er würde bei jeder Menstruation angetriggert.

Ein Telefonat mit einem Vertreter des Herstellers, erbringt keine Erkenntnisse. Der zuständige Arzt sagt, er hielte solch eine Wirkung für nahezu ausgeschlossen und er kenne keine Untersuchung dazu. Allerdings kann man im Internet eine aufschlussreiche Untersuchung zur Wirkung des künstlich hergestellten Qxytocin = Syntocinon nachlesen. An der Universität Tübingen wird für Studierende der Pharmazie folgender Versuchsaufbau beschrieben:

"In diesem Versuch soll die wehenfördernde Wirkung von Oxytocin... am isolierten Uterus einer Ratte gezeigt werden... Dieser wird in ein Organbad gehängt, welches sequentiell durchspülbar ist, um die Wirkung verschiedener Verbindungen auf die Kontraktilität der Uterusmuskulatur zu testen. Die Kontraktionen werden auf einen beweglichen Hebel übertragen, dessen Ausschläge von einem angeschlossenen Schreiber aufgezeichnet werden..." Ergebnis: "Unter der Wirkung von Oxytocin – hier Syntocinon – verstärken sich die Kontraktionen sowohl bezüglich ihrer Frequenz als auch ihrer Amplitude (Schwingungsweite)." (3)

Wenn sogar totes Gewebe messbar auf Syntocinon reagiert, warum sollte da nicht das lebendige Gewebe der Gebärmutter des damaligen kleinen Mädchens reagiert haben?

RECHERCHEN RUND UM DIE GEBURT

2005-03-Geburt4Die Geburt ist biologisch-hormonell vorprogrammiert, darüber hinaus steht sie in Wechselwirkung zu sozialen und kulturellen Einflüssen. Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre sind von Erfahrungswissen geleitet. Dieses Wissen wurde Jahrzehnttausende von Generation zu Generation weitergegeben. Die Geburt ist ein natürlicher, elementarer Vorgang. Das soziale Nest wird von den Familienmitgliedern insgesamt gebildet. Es ist durch nichts zu ersetzen. Das werdende Menschlein ist hochgradig störanfällig und bedarf des Schutzes der Familie oder Sippe, des Stammes und des Staates.

Die subtilen Prozesse der Menschwerdung vertragen keine Gleichgültigkeit, keinen emotionalen Stress, keine Angst und Verlassenheitsgefühle, keine körperfremden Stoffe, keine überflüssige Technik und keinen Baumaschinen- und sonstigen Lärm.

Gemessen an Generationen von Menschen Jahrhunderte vor uns, steht unsere gegenwärtige Schwangerenbegleitung nicht in Übereinstimmung mit der Natur und den Bedürfnissen der Ungeborenen. Die Babys interessiert nämlich nicht, ob und wie die jeweiligen Gesellschaften sich organisieren. Ihre inneren Uhren laufen nach dem bewährten Takt von Mutter Natur.

Heute hat sich einerseits sehr viel medizinisches Wissen angesammelt, andererseits mangelt es häufig an Intuition, wie ich noch beschreiben werde. Dabei ist die Intuition das unverzichtbare zwischenmenschliche Band. Intuitiver, naturgemäßer Umgang mit der eigenen Nachkommenschaft droht durch Überwachung, Kontrolle und durch medikamentöse Beeinflussung, aber auch modische Ansichten, immer wieder verdrängt zu werden.

Ungünstigen kulturellen und tragischen Umständen kann keine junge Frau in ihrer Schwangerschaft entkommen. Umso mehr wäre zu wünschen, dass Frauen bei der Geburtsbegleitung von vermeidbaren Störungen verschont bleiben, dass sie eine optimale Begleitung durch die Verwandtschaft erfahren und dass die junge Familie staatlicherseits ein gesichertes Auskommen erhält.

Zur Unterstreichung des Gesagten folgen einige Beispiele vermeidbarer Störungen während der Geburtssituation, die mir von Patienten berichtet wurden:

Vorgeburtlicher Stress für Mutter und Sohn 1999: Das älteste Kind einer Patientin war zum Zeitpunkt ihrer eigenen Therapie fünf Jahre alt. Der kleine Junge verteidigt seine Mutter immer, wenn die Schwiegermutter, also seine Oma, auf den Hof kommt. Er stellt sich breitbeinig vor seine Mutter und signalisierte der Oma deutlich ihre Unerwünschtheit. Hintergrund war die offene Ablehnung der jungen Frau, als diese mit dem jetzt Fünfjährigen schwanger ging.

Ein 67-jähriger Mann litt unter ähnlichen familiären Bedingungen. Er wurde bereits pränatal schwersttraumatisiert dadurch, dass er sich, durch mütterlichen Stress bedingt, verdreht und verkrampft hatte und mit einem Schiefhals unter Zuhilfenahme der Geburtszange geboren wurde. Ursprünglich wollte er sich schon pränatal schützen und wehren. Unter den seelischen und körperlichen Folgen leidet er heute noch.

1985 wurde einer Patientin von mir ein Wehenschreiber ans Bein gebunden. Da das Gerät nicht funktionierte, schüttelte die Schwester immer am Bein der Gebärenden. Diese erlitt einen Venenkrampf in der Leiste. Ihr Entschluss, diese Venenstelle, die immer wieder schmerzte, operativ entfernen zu lassen, stand fest. Sie konnte allerdings in der Regressionstherapie die Umstände dieser Verkrampfung gefühlsmäßig aufarbeiten. Der Krampf löste sich, sie konnte die OP absagen. Eigentlich war sie wegen des damals geborenen Sohnes gekommen, der, fast erwachsen, immer noch einnässte.

Frühgeborenenstationen waren und sind zumeist Orte unendlicher Einsamkeit, Trauer, Wut und Ohnmacht. Klienten, die wegen einer gegenwärtigen Krise oder Krankheit kommen und die Bürde solch einer Erfahrung mitschleppen, fassen viel schwerer wieder Tritt, weil die alten Gefühle des Verlorenseins in der aktuellen Krise wieder aufbrechen.

Wenn die Geburt durch Medikamente beeinflusst wurde, sind Recherchen besonders wichtig, wie wir sahen. Die Gratwanderung zwischen medizinischer Hilfe und manipulativen Techniken ist sehr schmal. Die emotionalen Folgen für die Kinder und letztendlich auch für deren Mütter werden entweder nicht überblickt oder nicht umsichtig genug reflektiert, wohl auch in Kauf genommen.

Durch die Aufteilung der Zuständigkeit für Gebärende und für die Kinder vor und nach der Geburt wird Lernen der zuständigen Gynäkologen und Kinderärzte – das Lernen voneinander – erschwert und fast unmöglich gemacht. Die Wechselwirkungen zwischen Mutter und Kind prä-, peri- und postnatal werden viel zu wenig insgesamt in den Blick genommen.

Die Hebamme verfolgt den Prozess des Vorher und Nachher rund um die Geburt ganzheitlich. Sie hat einen unmittelbaren Zugang zu den Frauen. Darum gebührt ihr zu Recht – auch historisch gesehen – die wichtigere Rolle bei der Schwangerenvorsorge, bei der Geburt und Nachsorge gesunder Frauen. Hebammen müssten darum gesellschaftlich aufgewertet werden. Ihre Arbeit müsste viel besser bezahlt werden.

Vor dreißig Jahren wurde es Gepflogenheit, den Frauen minderwertige Babynahrung aufzudrängen. Ihnen wurden die Kinder nach der Geburt weggenommen, sie wurden entmutigt, zu stillen. Sie bekamen keine adäquate Unterstützung. Die Geburtseinleitung vor dem Wochenende oder vor dem Urlaubsantritt des leitenden Personals war durchaus üblich. Hormonelle, hochkomplexe natürliche Prozesse wurden zugunsten privater Wünsche des Personals gestört und ignoriert. Und die Mütter und Väter ließen sich das zumeist gefallen. Die damaligen Kinder sind die heutigen Patienten.

Derzeit sind Kaiserschnitt und PDA (4) unhinterfragte Praxis, so scheint es manchmal. Hier dürfte eine Generation heranwachsen, deren Autonomie, deren Lebensfluss, deren Lebensenergie an zentraler Stelle gestört und unterbrochen wurde. Die Erfahrung, zusammen mit der Mutter, unterstützt vom Vater, durch gemeinsame Aktivität und Anstrengung etwas Überragendes erfolgreich geschafft zu haben, wird erst gar nicht gemacht.

Fehlgeleitete Eltern, eine interessegeleitete Geburtshilfe, Sorglosigkeit in Bezug auf mögliche Langzeitfolgen, fehlende Feldforschung, unzureichende Aus- und Fortbildung von Fachpersonal – die Folgen all dessen – werden künftigen Generationen aufgebürdet.

Eine technik- und medikamentenbestimmte Vorsorge und Geburtshilfe täuscht Sicherheit vor. Gleichzeitig entfernen wir uns immer weiter von biologisch abgestimmten, sinnvollen Prozessen. Eine emotional und sozial fürsorgliche Geburtsbegleitung kann damit kaum Schritt halten. Wir berücksichtigen nicht, welche Schocks und Ängste, welche Trennungskonflikte bei Müttern und Kindern allein durch die Pränataldiagnostik ausgelöst werden können. Eventuelle Folgeschäden wie die stark zunehmende Neurodermitis bei Säuglingen nimmt die Gesellschaft billigend in Kauf. (5) Die heutige Vorsorgepraxis und Geburtshilfe, davon bin ich überzeugt, führt mit zur Einkindfamilie.

NEURO-BIOLOGISCHE ASPEKTE UND INFORMATIONSGEWINN IN DER THERAPIE

Grundsätzlich gilt: Nur was neurologisch gespeichert ist, kann in regressionstherapeutischen Verfahren abgerufen werden. Die Psycho-Neuro-Immunologie zeigt, dass sämtliches Erleben in unserem Gehirn in Nervenzell-Netzwerken abrufbar gespeichert ist. Neu ankommende Wahrnehmungsreize werden im limbischen System zu physiologischen Reaktionen verarbeitet. Gegenwärtig Erlebtes wird daraufhin verglichen, ob es mit früher Erlebtem verknüpft werden kann. Reizwiederholungen bewirken, dass neuronale Spuren gelegt werden, so dass ein Mensch mit der Zeit automatisch, spontan, in gewohnter Weise reagieren kann.

Die Geburt als einzelnes Erlebnis wird mit allen Sinnen komplex wahrgenommen und gespeichert. Es bildet sich ein Nervenzell- Netzwerk zu diesem Erleben. Dazu gehören auch die Sinneseindrücke der Haut, die Körperverschiebungen unter der Geburt, Sinneseindrücke der Ohren und Augen, des Geschmacks und Geruchs sowie die begleitenden Gefühlserlebnisse, Angst, Glück, Schmerzen, Geborgenwerden, Druck und Anspannungserlebnisse. Wenn hier etwas nicht planmäßig abläuft, werden die Abweichungen ebenfalls registriert.

Nervenzell-Netzwerke bilden hochkomplexe Schaltzentralen, die vegetative, lebenswichtige Funktionen zu erfüllen haben. Wahrnehmungsspuren können später angetriggert werden. Im Alltag geschieht das durch Zufallsreize. In der Regressionsarbeit geschieht es durch bewusste oder gezielte Autostimulation.

Die Pioniere (6) dieser Therapieform dachten, Regression geschähe nur mit Hilfe bestimmter Techniken (Dunkelheit, Schlafentzug oder in Marathonsitzungen usw.). Das alles ist jedoch nicht erforderlich.

Regression geschieht von selbst und unter einfach herzustellenden Bedingungen. (7)

Ein Beispiel:
Die Patientin, deren Schmerzempfinden während der Menstruation und Geburt sehr hoch war, von der ich bereits berichtete, konnte in ihren ersten beiden regressionstherapeutischen Sitzungen erleben, dass ihre Gebärmutter wie bei der Menstruation schmerzte. Sie hatte etwa sechs bis acht Mal langsam, fühlend und spürend ausgesprochen: "künstliches Wehenmittel"... und dabei liegend, die Augen geschlossen, in sich hineingehorcht.

Die auftretenden Schmerzen lassen sich nur dadurch erklären, dass die Patientin über eine tiefe innere Information verfügt, die mit dem Schmerz ihrer Gebärmutter korrespondiert.

Heutige neurobiologische Kenntnisse erleichtern das Verstehen dessen, was in der Regressionstherapie geschieht. Sie erleichtern auch die Aufgabe, zusammen mit den Patienten Strategien zu entwickeln, um eingefahrene, neurologische Pfade, Lebensmuster und neurotisches Verhalten zu erkennen und schließlich zu verlassen. Darum ist die Selbstverantwortung in therapeutischen Prozessen so wichtig.

Behutsam durchgeführte Regressionsarbeit, ist von großem Gewinn, weil Klienten sich entlastet fühlen in dem Wissen, dass das eigene Erleben, einer inneren Logik folgt. Das Beispiel mit dem in Ohnmacht fallenden Mädchen zeigt, wie das Prinzip des neurologischen Erinnerns arbeitet. Wenn es um komplexere Einstellungen, Verhaltensweisen oder um schwer verständliche psychische Auffälligkeiten geht, können wir doch nach demselben Prinzip vorgehen und gemeinsam mit den Klienten forschen.

Einige weitere Aspekte zum Erkenntnisgewinn in therapeutischen Prozessen:

a) Inneres Sehen

Die Innensicht des Uterus ist häufig verschlüsselt. Die Eihaut wird als gläserne Hülle, durchsichtiger Schlauch, nebelartiges Gebilde bezeichnet. Eine Klientin sah sich selbst wie eine Made, nur bestehend aus Kopf und Wurmende.

Bilder dieser Art dürften ja eigentlich nicht möglich sein. Da wir aber fortwährend neue Bilder in uns aufnehmen, steht einer neurologisch verknüpfenden Deutung vorgeburtlicher Sinneseindrücke mit später entstandenen Bildern und Begriffen nichts im Wege.

b) Inneres Fühlen und Spüren

Beides können wir kaum voneinander trennen. Fühlen ist eine Erlebnisqualität. Traurig oder glücklich sein, hassen oder Angst haben..., wir fühlen es und wollen uns mitteilen. Dazu lehrt uns wiederum die Neurobiologie, dass jegliches Erleben mit einer Gefühlsqualität Spuren im Gehirn legt.

Nervenzellnetzwerke beherbergen also die Erinnerungen inklusive damaliger Gefühle, inklusive eventueller muskulärer Impulse.

Hier sind wir an der Nahtstelle zum Körpererleben. In Verbindung mit Gefühlen, stoßen wir auf körperliches Spüren: z. B. Anspannen des ganzen Körpers, Verkrampfen von Muskelgruppen oder einen Kloß im Hals. Es ist darum möglich, beim inneren Gewahrwerden über körperliches Empfinden, Gefühle aufzuspüren. Das ist so, als wenn Eingefrorenes wieder auftaut.

Die therapeutisch gewünschte Integration von ehemaligen eingefrorenen Gefühlen geschieht durch bewusstes Wahrnehmen des Anfangs eines aufsteigenden Gefühls und ein bewusstes Wahrnehmen des Endes solcher Gefühle. Es ist vorbei, das schreckliche Geschehen ist ja vorbei. Das sagt der ordnende Verstand.

Schlussgedanken: Mit heutigen therapeutischen Methoden können wir individuelle Geburtserfahrungen auch noch sechzig oder mehr Jahre später aufdecken und aufarbeiten. Die Nachhaltigkeit von den Geburtsprozess beeinflussenden Medikamenten, von abträglicher Geburtshilfe, aber auch von Eingriffen, deren Folgen nicht im Blick sind, versuchte ich zu belegen. Bei der therapeutischen Arbeit mit Erwachsenen werden die Langzeitwirkungen überdeutlich. Das gesellschaftliche Interesse an solchem Wissen wächst nur langsam. Es hält nicht Schritt mit dem ständig expandierenden Drang zu weiterer Medikalisierung der Geburtshilfe.

1972 sagte Prof. Klosterman von der Universität Amsterdam folgende Worte:

"Viele... Ärzte glauben fest daran, dass wir alles verbessern können, sogar die natürliche Geburt bei einer gesunden Frau. Diese Philosophie ist die Philosophie jener, die glauben, dass es bedauernswert ist, dass sie bei der Erschaffung Evas nicht hinzugezogen wurden, weil sie es besser gemacht hätten..." (8)

Ich wünschte, dass sich heute, 33 Jahre später, eine ähnlich selbstkritische Sichtweise artikuliert.


(1)Ein Faden wird durch den Muttermund gezogen, wie bei einem Beutel, der durch ein Band verschlossen wird.
(2) Bei der Ambulanten Regressionstherapie arbeiten die Patienten liegend und mit geschlossenen Augen. Durch die einsetzende Innenwahrnehmung werden Körpersymptome gespürt, Gefühle gefühlt und Inhalte erinnert. Oft verknüpfen sich die Selbstwahrnehmungen in einem behutsamen und selbstgesteuerten Prozess.
(3) Siehe www.tuebingen.de/pharmazie/pios/studium/ pharmacologie.doc
(4) PDA Periduralanästhesie: Lokalanästhesie: Wird neben die Wirbelsäule gesetzt, zur Schmerzlinderung und Entspannung der Mutter während der Geburt.
(5) Ich verweise auf die Untersuchungen von Prof. Stemmann der Gelsenkirchener Kinderklinik.
(6) Arthur Janov: Der Urschrei, Frankfurt 1975
(7) Therapiebeschreibung: Irene Behrmann: Zurück ins Leben – Erfahrungen mit der Ambulanten Regressionstherapie, Berlin 2005. Siehe auch www.ambulante-regressionstherapie.de
(8) Peter MacNaughton Dunn: Die Geburt als physiologischer Prozess. In: Wulf Schiefenhövel, Dorothea Sich, Christine E. Gottschalk-Batschkus (Hrsg.), Gebären – Ethnomedizinische Perspektiven und neue Wege VWB 1995, S. 227



Irene Behrmann
M. A. Erziehungswissenschaften, Psychotherapie (HP)
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www.ambulante-regressionstherapie.de

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