Die Kraft der Selbsthypnose
Dass Hypnose ein wirkungsvolles Therapieverfahren sein kann, ist bekannt. Dadurch wird sie auch bei Klienten immer beliebter. So können psychische Erkrankungen wie Ängste, Panikattacken, Depressionen usw. behandelt werden, aber auch körperliche Symptome wie Migräne, Schmerzstörungen und neurologische Ausfälle lassen sich lindern.
WAS IST HYPNOSE?
Bei der Hypnose darf sich der Klient in einem entspannten Zustand unter Anleitung des Therapeuten seinen Themen widmen. Diesen Zustand nennt man Trance, den man liegend, aber auch sitzend erreichen kann. Viele Menschen denken, dass eine Trance ein ganz spezieller Zustand sein müsste. Tatsächlich muss das aber nicht sein. Manchmal ist es gar nicht von Vorteil, wenn die Klienten sich in einem so tiefen Zustand befinden, dass sie z. B. auf Fragen nicht mehr aktiv reagieren können. Ein nach innen gerichteter Blick oder ein Zustand völliger Entspannung kann für die Trance oft schon völlig ausreichend sein. Der hypnotische Zustand ist aber tatsächlich von Klient zu Klient verschieden und ist auch abhängig von der aktuellen Verfassung.
In diesem Trancezustand ist es dann möglich, nach Ursachen und Lösungen zu suchen und den eigenen Weg dorthin zu finden. Als Therapeutin bietet man einige Dinge an, aber nur der Klient selber weiß, was das Richtige für ihn ist.
HYPNOSE IST KEINE ZAUBEREI
„Sie sind meine letzte Hoffnung!” Diese oder ähnliche Sätze hören Hypnosetherapeuten wahrscheinlich sehr oft. Und hier ist Einblick wichtig. Denn oft wird Show-Hypnose mit der Hypnosetherapie verwechselt und so entsteht der Glaube, dass eine Erkrankung, die vielleicht schon seit Jahren besteht, mit einer Sitzung behandelt werden kann. Zur Aufklärung gehört jedoch auch, dass eine Mitarbeit am Prozess von grundlegender Bedeutung ist. Hier kann dann die Selbsthypnose miteinbezogen werden.
WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN HYPNOSE UND SELBSTHYPNOSE?
Vorweg möchte ich erwähnen, dass einige Techniken der Selbsthypnose existieren, die eine gewisse Entspannung (Trance) erfordern. Dabei liegt die Schwierigkeit darin, dass der Klient sowohl in die Rolle des Klienten als auch in die des Therapeuten schlüpft. Das hört sich anspruchsvoll an, ist aber mit etwas Übung möglich. Zudem gibt es Methoden, die schnell zugänglich sind und an die klassische Hypnosebehandlung anknüpfen.
WAS LERNEN DIE KLIENTEN BEI DER SELBSTHYPNOSE?
- die Voraussetzungen zu schaffen für eine Selbsthypnose (Räumlichkeit, Zeit u. a.) - den Aufbau einer Selbsthypnose zu planen
- sich zu entspannen und in eine leichte Trance zu versetzen z. B. durch eine Atemtechnik oder die Visualisierung eines bestimmten Ortes - die richtige Wortwahl zu treffen
- verschiedene Anwendungsgebiete und die dazugehörigen Techniken (Schmerzen, Ängste, Unruhe, Lampenfieber, Panikattacken usw.) - wie man sich in den Wachzustand zurückholt
- die Grenzen der Selbsthypnose
FALLSTUDIE
Eine 26-jährige Physiotherapeutin hatte sich bei der Arbeit mit einem Patienten verhoben und hat danach HWS-Probleme. Dabei ist es ihr oft „schummrig” geworden und sie hatte Angst, ohnmächtig zu werden. Infolgedessen haben sich ihre Ängste auch auf das Autofahren ausgebreitet, z. B. weite Strecken mit dem Auto über die Autobahn zu fahren. Konkret ging es um den Spurwechsel, bei dem sie sich umschauen musste (den Kopf drehen), und sie befürchtete, dass es ihr dabei schummrig werden könnte. Die Folge war, dass sie Autobahnfahren vermied und sogar Panikattacken bekam, wenn sie nur daran dachte. Ihr Auftrag an mich: Sie wollte unbedingt wieder auf der Autobahn fahren, da sie unbeschwert ihre Eltern und Freunde besuchen wollte. So konnte sie mithilfe der Hypnose nach drei Sitzungen bereits kleinere Autobahnfahrten mit ihrem Lebensgefährten als Beifahrer wagen, und nach weiteren zwei Sitzungen hat sie die weite Fahrt in ihre Heimat gemacht. Die Therapie vor Ort in der Praxis haben wir ergänzt durch die Selbsthypnose, die sie in einem Kurs mit anderen Teilnehmern erlernt hat. In diesem speziellen Fall ging es um die Selbsthypnose-Techniken des sicheren Ortes, eines kraftvollen Begleiters und der Kooperation zwischen dem Bewusstsein und dem Unterbewusstsein sowie der Selfie-Stick-Methode.
SICHERE ORTE, KRAFTVOLLE BEGLEITER UND MEHR
In der Hypnose konnte die Klientin einen „sicheren Ort“ für sich finden. Dies ist ein Platz, an dem man sich geborgen, vollkommen sicher und ruhig fühlt. Oftmals sind es Orte wie der Strand, der Wald, eine Wiese oder ein Zimmer. Hier werden dann alle Sinne genutzt: Wie sind die Körperempfindungen, was sieht man, was hört man, was riecht man? Durch diese Wahrnehmungen vertiefen sich Entspannung und Sicherheit. Dieser geschützte Ort wird zu einem inneren Rückzugsraum, den man später auch in der Selbsthypnose jederzeit wieder besuchen kann. In einem weiteren Schritt entwickelten wir einen „kraftvollen Begleiter“. Dabei stellt sich die Klientin eine innere Figur vor, die sie unterstützt und stärkt. Das kann ein Mensch, ein Tier, eine mythologische Gestalt oder auch nur ein Symbol sein. Dieser Begleiter steht ihr in schwierigen inneren Momenten zur Seite. Er kann ihr Mut zusprechen, sie beschützen oder sie an ihre eigenen Fähigkeiten erinnern. In der Selbsthypnose kann sie diesen Begleiter bewusst an ihre Seite rufen und sich so mit ihren inneren Ressourcen verbinden. Ein zentraler Teil der Arbeit bestand darin, die Kooperation zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein zu fördern. Vereinfacht gesagt: Der „wache Verstand“ (Bewusstsein) und das Unterbewusstsein geben sich gegenseitig in Trance die Hand und beschließen ab sofort, nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern miteinander. Das Bewusste und das Unterbewusste führen in Trance eine Art Verhandlung. Dabei wird das Ziel nicht aus den Augen gelassen und beide Parteien treffen eine Einigung. Durch diese Koalition bekam die Klientin das Gefühl, nicht mehr so stark kämpfen zu müssen und sich zugleich deutlich mehr unterstützt und getragen zu fühlen. Die Selfie-Stick-Methode half der Klientin dabei, ihren Blick wieder stärker auf die positiven Aspekte ihres Alltags zu richten. Sie stellt sich dabei vor, einen inneren Selfie-Stick in der Hand zu halten und jedes Mal auf den Auslöser zu drücken, wenn sie einen angenehmen oder gelingenden Moment erlebt. Dafür braucht es im Alltag keine tiefe Trance.
Die Übung lässt sich jederzeit leicht anwenden. So richtet sich der innere Scheinwerfer zunehmend wieder auf das Positive und auf die kleinen, oft übersehenen Lichtblicke im täglichen Leben.
SELBSTHYPNOSE ALS TOOL FÜR THERAPEUTEN
Therapeuten arbeiten tagtäglich daran, andere Menschen zu unterstützen. Oft kommen sie dabei selbst zu kurz. So kann die Selbsthypnose ein hilfreiches Tool werden, um - ein Ritual für sich zu finden, vor oder nach der Arbeit - die Konzentration wieder zurückzubringen
- Hindernisse zu beseitigen, die man vielleicht manchmal bei der Arbeit verspürt – eine kurze Pause für den Kopf einzurichten
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Selbsthypnose eine wertvolle Ergänzung zur Hypnosetherapie vor Ort darstellt und Therapeuten aus verschiedenen Fachbereichen eine bereichernde Möglichkeit bietet. Für die Klienten, aber auch um selbst an der inneren Stärke sowie an individuellen Themen zu arbeiten. Ich persönlich liebe die Selbsthypnose und möchte sie nicht mehr missen.
In der Hypnose widmet sich der Klient im entspannten Zustand unter Anleitung des Therapeuten seinen Lebensthemen.

Johanna Hahn
Heilpraktikerin für Psychotherapie mit Schwerpunkten Hypnosetherapie und Burnoutberatung, Lauf-Trainerin
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