Glück beginnt zu zweit
WARUM EINE STABILE PARTNERSCHAFT DIE FAMILIE STÄRKT
Eine harmonische und glückliche Familie benötigt das Fundament einer stabilen und liebevollen Partnerschaft. Von einem respektvollen Miteinander, einer konstruktiven Konfliktlösung und einer gegenseitigen Unterstützung profitieren nicht nur die Eltern, sondern auch ihre Kinder. Schließlich erschafft eine stabile Beziehung einen vertrauensvollen und sicheren Raum sowie emotionale Stabilität im Familienalltag. Eine gesunde Partnerschaft bildet das Herzstück eines harmonischen Familienlebens. Doch wie können wir es schaffen, dieses Fundament zu stärken?
Zu einer Trennung kommt es selten von jetzt auf gleich.
Seit vielen Jahren steigen die Scheidungsraten, was mitunter zur Folge hat, dass Familien auseinanderbrechen. Aber ebenso bei Paaren, die unverheiratet zusammenleben, kommt es schneller zu Trennungen. Wir leben in einer komplexen, herausfordernden und schnelllebigen Welt. Da passiert es häufig, dass wir unsere Liebsten im Alltagstrubel aus den Augen verlieren und darunter auch unsere Paarbeziehung leidet. Wir verstricken uns häufiger in Konflikten, die Nähe wird immer geringer und unsere Kommunikation reduziert sich auf ein oberflächliches Mindestmaß. Zu einer Trennung kommt es also selten von jetzt auf gleich. Viel eher geht ihr ein schleichender destruktiver Prozess voraus.
Läuft die Beziehung zu unserem Partner schlecht, leiden nicht nur wir und er darunter, sondern ebenso unsere Kinder. Somit wirkt sich eine destruktive Beziehungsdynamik zwischen uns und unserem Herzensmenschen negativ auf die ganze Familie aus. Dabei können uns einige Veränderungen im Umgang miteinander dabei unterstützen, unsere Partnerschaft glücklicher und harmonischer zu gestalten und weiterhin wieder Freude und Ausgeglichenheit in unser gesamtes Familienleben zu bringen.
SCHAUEN WIR UNS DIESE ASPEKTE GENAUER AN
Eine wesentliche Veränderung kann es bereits bewirken, wenn wir uns darauf einlassen, unserem Partner auf zwischenmenschlicher Ebene wieder mit Neugierde, Offenheit und wahrem menschlichen Interesse an seiner Person zu begegnen. Erinnern wir uns daran, wie es uns miteinander in der Kennenlernphase erging. Wir waren daran interessiert, unseren Herzensmenschen in Gänze kennenzulernen; zu erfahren, wie er das Leben betrachtet, welche Wünsche und Träume er hat und was ihm wirklich wichtig ist. Die Frage „Wie geht es dir?“ war mehr als nur eine Floskel. Wir wünschten uns, unseren Herzensmenschen zu verstehen und herauszufinden, was ihn innerlich bewegt. Es war uns an seinem Wohlbefinden gelegen. Zeit mit diesem Menschen zu verbringen, war für uns etwas Besonderes. Im Laufe der Jahre, die wir Seite an Seite leben, schleicht sich der sog. Gewohnheitseffekt ein. Wir vergessen, dass wir (unbewusst) täglich aufs Neue die Entscheidung treffen, unser Leben miteinander zu teilen. Genau das ist eben keine Selbstverständlichkeit, obgleich es sich nun vielleicht so anfühlt. Daher dürfen wir wieder eine dankbarere und wertschätzendere Perspektive mit Blick auf unseren Partner einnehmen.
Allein diese Bewusstwerdung kann dazu beitragen, dass wir erneut unsere Herzen ein Stück weiter füreinander öffnen können. So können wir unseren Fokus zudem darauf richten, welche Persönlichkeitsmerkmale wir an unserem Herzensmenschen lieben (und lieben gelernt haben). Sind wir einander durch diese Bewusstwerdung nähergekommen, legen wir zugleich den Grundstein für eine offenere Kommunikation miteinander. Vielleicht haben sich im Laufe der Zeit rein oberflächliche bzw. praktische Gesprächsstile in unseren Beziehungsalltag eingeschlichen. Womöglich ist zudem (gegenseitige) Kritik an der Tagesordnung. Diese Art der Kommunikation sorgt im Regelfall dafür, dass die Partner sich voneinander nicht mehr gesehen und geliebt fühlen. Es kann durch solche Gespräche zu einer destruktiven Abwärtsspirale kommen. Nähe und Verbundenheit werden hierdurch schrittweise eliminiert. Wir sehen in unserem Partner nur noch eine Person, die neben uns her lebt und sich im Wesentlichen nicht für uns interessiert. Dabei lassen wir gewöhnlich außer Acht, dass in einer zwischenmenschlichen Beziehung jeder Part 50% der Verantwortung für das Gelingen der Beziehung trägt und für seine 50% zu 100% verantwortlich ist. Die Verantwortung dafür, dass eine Beziehung gelingt, liegt also zu gleichen Teilen auf beiden Seiten.
Ebenso sollten wir uns bewusst machen, dass eine Liebesbeziehung kein Tauschhandel ist. Liebe ist etwas, das sich freimütig verschenkt, ohne vom Gegenüber etwas als Gegenmittel zu fordern. Liebe können wir so viel verschenken, wie wir möchten, wenn wir sie „frei fließen lassen“. (Anmerkung: Diese Grundsätze gelten selbstverständlich für eine gesunde zwischenmenschliche Beziehung auf Augenhöhe und nicht für eine solche, in der es eine toxische Dynamik gibt und ein Part von dem anderen benutzt und hintergangen wird.)
ERINNERN WIR UNS AN DEN BEGINN UNSERER PARTNERSCHAFT
Da fallen uns sicherlich einige Situationen ein, in denen wir unserem Herzensmenschen eine Freude gemacht haben und uns wiederum an seinem Glück darüber erfreut haben, ohne etwas zurückzufordern. Leider werden die meisten Paare im Umgang miteinander zunehmend „geiziger“, was das freimütige Schenken der Liebe und Zuwendung anbelangt. Dafür nehmen Konflikte (oft über Kleinigkeiten) sowie (übereifrige) Kritik am Gegenüber zu.
Viele Paare glauben, dass die Kinder von ihren Differenzen miteinander nichts mitbekommen, da diese ja – nach Möglichkeit – nicht vor den Augen der Kinder ausgetragen werden. Doch hierbei handelt es sich bedauerlicherweise um einen Irrtum. Kinder sind sehr sensibel und nehmen die angespannte Stimmung zwischen ihren Eltern wahr. Auch hören sie die streitenden Eltern im Nebenraum, was sich ebenfalls auf ihre Gemütsverfassung auswirkt. Jüngere Kinder können eventuell sogar dem Irrglauben verfallen, dass die Eltern sich wegen ihnen streiten. So oder so leidet die gesamte Familie, wenn die Paarbeziehung der Eltern auf keinem gesunden Fundament steht. Ein weiterer Perspektivwechsel kann uns als Paar dabei unterstützen, in einer Konfliktsituation unseren Partner nicht als Feind zu sehen bzw. in ein Tauziehen darüber zu geraten, wer das Recht auf seiner Seite hat und daher als „Sieger“ aus der Auseinandersetzung hervorgeht. Üblicherweise ist es so, dass wir in einem Konflikt versuchen, unser Gegenüber mit Argumenten zu überzeugen und somit „zu besiegen“. Weiterhin projizieren wir allerhand Gedanken und Gefühle auf unseren Gesprächspartner. Wir heften ihm (unbewusst) ein Post-it mit der Aufschrift „Du bist schuld!“ an die Stirn. Unser Partner geht oftmals (unbewusst) ähnlich vor. Nicht selten passiert es, dass beide Seiten sich gegenseitig hochschaukeln und mitunter sogar den eigentlichen Grund für die Auseinandersetzung aus dem Fokus verlieren. Machen wir uns jedoch andererseits bewusst, dass wir und unser Partner ein Team miteinander bilden, das gemeinsam eine Herausforderung zu bewältigen hat, gehen wir mit einer ganz anderen inneren Haltung aufeinander und auf die Ursache für die Meinungsverschiedenheit zu. Das Konfliktthema bildet also eine Art dritte Instanz, die wir beide in den Raum zwischen uns stellen und gemeinsam betrachten können. So können wir miteinander als Team nach Lösungen suchen, anstatt mit unserem Herzensmenschen in einen verbalen Schlagabtausch zu gehen. Auch die Formulierung von „Ich-Botschaften“ anstelle von „Du-Botschaften“ zeigt, dass jeder Verantwortung für seine eigenen Gedanken und Gefühle übernimmt und diese nicht wild auf das Gegenüber projiziert und dort bekämpft. Dieser persönlich reifere Umgang mit Konfliktsituationen sorgt dafür, dass wir einander automatisch wieder näherkommen und sich die Fronten im Gegensatz dazu nicht zunehmend verhärten.
TÄTERROLLE UND OPFERROLLE
Es macht einen großen Unterschied, ob wir zu unserem Partner sagen „Du machst mich extrem wütend!“ oder „Ich spüre, dass deine Worte gerade Wut in mir auslösen“, und wir es dann schaffen, unsere Gefühle wahrzunehmen, ohne unseren Partner dafür verantwortlich zu machen. Die Zuweisung der klassischen „Täterrolle“ und „Opferrolle“ hilft uns in normalen alltäglichen Beziehungskonflikten nicht weiter. Viel eher sorgt dies dafür, dass die Fronten sich mit jedem weiteren Konflikt zunehmend verhärten und dadurch sämtliche Liebesgefühle füreinander schrittweise vergiftet werden, bis dass die Liebe ganz stirbt und als einziger Ausweg lediglich eine Trennung übrig zu bleiben scheint. Sicherlich ist es zunächst eine Umstellung, Konfliktsituationen von nun an anders anzugehen, doch es lohnt sich. Wir sind es normalerweise schlichtweg nicht gewöhnt, auf eine so gänzlich andere Weise miteinander umzugehen, wenn es zu einer Meinungsverschiedenheit kommt. Jedoch können wir Schritt für Schritt gemeinsam mit unserem Herzensmenschen trainieren, auf diese neue und konstruktivere Weise an Auseinandersetzungen heranzugehen. Dadurch stärken wir unser „Wir-Gefühl“ und die Wertschätzung füreinander leidet nicht, sondern wird gefördert.
Es ist wichtig, die Gefühle unseres Partners nicht kleinzureden, zu negieren oder gar lächerlich zu machen. Seine Gefühle haben dieselbe Daseinsberechtigung wie unsere eigenen. Weiterhin müssen wir uns nicht von seinen Gefühlen „angegriffen oder beschuldigt fühlen“. Wir können Mitgefühl für die Emotionen unseres Herzensmenschen aufbringen und ihm genug Raum und die Möglichkeit dazu bieten, sich dahingehend emotional selbst zu regulieren. Auch durch dieses Zugeständnis zeigen wir Respekt und Wertschätzung füreinander. Weiterhin ist es wichtig, dass wir einander auf Augenhöhe begegnen und jegliche Machtspiele, übertriebene Kritik und jedwede Form von Gehässigkeiten einstellen. Diese zerstören die Liebesgefühle und das Vertrauen in unserer Paarbeziehung. Unserer Verbundenheit und Liebe förderlich sind anerkennende wertschätzende Worte, sich für die Unterstützung des Herzensmenschen zu bedanken, ihm Aufmerksamkeit und v. a. Paar- und Familienzeit zu schenken, sich verständnisvoll und fürsorglich sowie liebevoll zu zeigen und einander kleine Überraschungen zu machen.
Ebenso sollten wir die Bedürfnisse unseres Herzensmenschen akzeptieren und ihm beispielsweise Raum für sich selbst zugestehen, ohne Vorwürfe zu äußern. Es gibt also mehrere „größere und kleinere Stellschrauben“, mit denen wir gemeinsam mit unserem Herzensmenschen positive Veränderungen in unserer Paarbeziehung bewirken können. Also, probieren wir es doch einmal aus und erfreuen uns daran, wie wir dadurch unser gesamtes Familienleben harmonischer und liebevoller gestalten können. Denn: Wir sind die Gestalter unseres Lebens und somit auch unserer Beziehungen!

Isabelle Maria Kühler
Coachin und Psychologische Beraterin mit Schwerpunkten Hochsensibilität, Liebe und
Partnerschaft, Autorin
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