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Der Mann als Opfer

Von 10 Männern werden 6 Opfer von Gewalt- kriminalität. Von 40 Männern erleben 2 sexualisierte Gewalt in der Partnerschaft. Nur 1 Mann von 10 nimmt Kontakt zur Polizei auf, nachdem er häusliche Gewalt erleiden musste.

Auf der Seite des Hilfetelefons für den Mann in Gewaltsituationen wird deutlich, dass der Mann auch Opfer häuslicher Gewalt werden kann. Stalking ist ein großes Thema, sexualisierte Gewalt, psychische Gewalt, Mobbing, Misshandlungen in der Kindheit, Gewalt im öffentlichen Raum, digitale Gewalt, aber auch Zwangsheirat kommen vor. Dies betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Gerade auch Gewalt in Institutionen ist hier hervorzuheben, aber natürlich auch innerhalb der Familien.


Wenn ein Mann Gewalt erlebt, ist dies immer noch ein großes Schamthema, da ihm gleich die Männlichkeit abgesprochen wird. Männer können auch Opfer von häuslicher Gewalt oder Stalking durch Frauen als Täter werden. Aber genau hier liegt das Problem, dass sie keine Ansprechpartner finden, um sich anzuvertrauen. Ein Mann als Opfer einer Frau wird direkt verspottet und es heißt, dass er dann kein Mann ist, denn er lässt sich von einer Frau fertigmachen. Deshalb ist die Dunkelziffer bei der Gewalt gegen den Mann noch viel höher als bei der Frau.

Würde der Mann bei Gewalt von seiner Frau zurückschlagen, dann ist er der Täter. Dies akzeptiert die Gesellschaft direkt, denn es ist sehr naheliegend, dass der Mann seine Frau geschlagen hat. Seine Freunde lachen ihn dann aus und sagen: „Kannst du dich nicht gegen deine Frau wehren.“ Aber er sollte seine Frau natürlich nicht zurückschlagen, denn dann wäre er ein Gewalttäter und ein Frauenschläger.

Wie sollte der Mann also mit der Gewalt, dem Auslachen und Verharmlosen sowie der Absprechung seiner Männlichkeit umgehen?
Es ist wichtig, sich jemandem anzuvertrauen – wenn es im Freundeskreis keinen Ansprechpartner gibt oder in der Familie – dann gibt es auch Männerhäuser, in denen Männer Schutz oder Beratung finden. Entscheidend bei den Angeboten sowie auch in der Psychotherapie oder den Coachings ist es, den Mann zu stärken, dass auch er als Mann Opfer einer Frau werden kann und dass ihm dies nicht die Männlichkeit abspricht. Gerade, dass er die Frau nicht schlägt, obwohl sie ihm Gewalt antut, spricht für ihn, denn so ist er kein Gewalttäter und das ist lobenswert und sollte nicht zu Herabsetzungen missbraucht werden. Hierbei ist es wichtig, Verhaltensstrukturen zu ändern und Wege der Kommunikation aufzuzeigen, wie er sich auch im Freundes- oder Familienkreis anvertrauen und bei diesem Thema behaupten kann, ohne sich der Angst der Herabsetzung seiner Männlichkeit ausgeliefert zu fühlen.

Reden ist männlich und zeigt, dass er sich für sich selbst und sein Leben einsetzt und sich behauptet. Männer sollten erkennen, dass eine verbale Standpunktbehauptung sehr selbstbewusst und dadurch auch männlich ist. Gewalt muss nicht angewendet werden und sollte auch nicht, denn es ist Gewalt und nicht männlich. Ein richtiger Mann muss keine Gewalt anwenden, sondern er behauptet sich selbstbewusst durch Worte und die Handlung, die Provokation nicht anzunehmen und keine Gewalt anzuwenden. Dadurch steht er erhaben über der Situation und das ist sehr männlich. Aber auch über Gefühle zu reden, ist gewollt und auch männlich, sogar anziehend. Seien Sie mutig und holen Sie sich Hilfe. Mutig sein ist doch männlich! Setzen Sie sich für sich selbst und Ihr Leben ein. Sollten Sie Kinder haben, dann sollten Sie alles tun, um sich selbst und Ihren Kindern ein gewaltfreies, schönes Leben in Liebe zu ermöglichen. Dies ist auch zur Gewaltprävention ein sehr wichtiges Thema. Denn manche Männer, die Opfer waren, können aus Frustration über die Anfeindung und Herabsetzung und Lächerlichkeitmachung ihrer Männlichkeit selbst ausrasten und zu Tätern werden.

Wenn ein Mann Gewalt erlebt, ist dies ein Schamthema.

WO FINDEN MÄNNER AUSSERHALB IHRER FAMILIEN UND IHRES FREUNDES-KREISES HILFE UND SCHUTZ?

Es gibt aktuell in Deutschland - 13 Männerschutzwohnungen mit 47 Plätzen für Männer und ggf. ihre Kinder. - Dazu gibt es 3 geschlechtsunabhängige Schutzwohnungen mit 5 Plätzen, wo Menschen jeden Geschlechts Zuflucht finden können, auch Männer. - Es gibt weiterhin 1 Schutzwohnung für Männer und nicht-binäre Menschen mit aktuell 3 Plätzen sowie eine LSBTIQ*-Krisenwohnung mit 5 Plätzen. An Letztere können sich u. a. auch Männer wenden, die aufgrund ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität von häuslicher Gewalt betroffen sind.

Insgesamt sprechen wir demnach von bundesweit 18 Schutzwohnungen für Männer mit 55+5 Plätzen. Dort können betroffene Männer und wenn gewünscht ihre Kinder eine Zeit lang unterkommen. Eine Beratung ist dabei unerlässlich. Denn die Beratungsgespräche helfen Betroffenen auch, die eigene Zukunft nach der Zeit in der Schutzwohnung zu gestalten (Männergewaltschutz).

HILFSANGEBOTE FÜR MÄNNER

Das Gewalttelefon 0800/1239900
Beratung per Chat oder E-Mail, www.maennerhilfetelefon.de Die Beratung ist anonym möglich.

Beteiligte Bundesländer sind Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg. Anrufen können auch Männer aus anderen Bundesländern.
Beratung und Schutzwohnungen:
www.maennergewaltschutz.de/beratungsangebote/maennerschutzeinrichtungen

Sina Guettaf: Unterrichtsentwürfe für den Sportunterricht. united p.c. Verlag

Sina Guettaf
Sportwissenschaftlerin, Pädagogin und freiberufliche Autorin Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.