Therapeutische Kommunikation – Die Wirkung der Sprache auf das Gehirn und das Unbewusste

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Die Tatsache, dass Sprache und (nonverbale) Kommunikation auf das Gehirn, den Körper und die Seele wirken, ist hinlänglich bekannt und bewiesen. Es gibt viele erstaunliche Beispiele, die zeigen, wie groß die Wirkung von Sprache wirklich ist. Sie kann therapeutisch wohlwollend eingesetzt werden, aber auch oft bei unachtsamer und unbedachter Wortwahl großen Schaden anrichten.

©ii-graphicsIn der Placeboforschung wurden z. B. Medikamentenstudien an Menschen mit chronischen Erkrankungen durchgeführt, in denen gezeigt werden konnte, dass sogar die Wirkung von Morphium (oder dem Placebo) davon beeinflusst werden kann, ob der Arzt die Wirkung verbal bestätigt oder verneint. Es wird über Krebserkrankungen und -rezidive berichtet, die psychotherapeutisch begleitet wurden, indem die Chemotherapie mit Imaginationen gegen die Krebszellen unterstützt wurde. Die endgültige Heilung wurde jedoch nach drei Rezidiven erst erreicht, als – anstelle des Kampfes gegen den Krebs – die Heilung als Ziel formuliert wurde.

Auch das Klinikpersonal ist sich der Wirkung der Sprache mittlerweile bewusst und wird dahingehend geschult. Selbst in Narkose wirken Worte auf den Menschen. Wenn das Chirurgenteam während der Operation die Worte achtsam wählt, werden im Gesundungsprozess weniger Medikamente benötigt und die Patienten (immer m/w) können früher entlassen werden. Im Gegenzug implizieren unachtsame Äußerungen bei den Patienten Schmerzen und kompliziertere Heilungsverläufe.

Es gibt aber auch Berichte, in denen Ärzte genau das richtige Medikament bei einer Krankheit verabreicht haben, der Patient aber nicht an seine Heilung glaubte und nach wenigen Tagen verstarb.

In der Werbung wird die Wirkung der Sprache auf das Gehirn und das Unbewusste sehr bewusst genutzt, seit einiger Zeit gibt es Neuromarketing, um die Kundenaufmerksamkeit mithilfe der Hirnforschung noch besser auf Produkte auszurichten.

Auch die Grammatikformen, der Satzbau und die Wortwahl entscheiden über die Wirkung des Gesagten. Es macht einen großen Unterschied, ob ich sage: „Ich habe eine Attacke auf dich vor!“ oder ob ich formuliere: „Kann ich dich um etwas bitten?“ Kriegerische Redewendungen spiegeln eine innere Haltung und beeinflussen (un-)bewusst auch den Empfänger der Botschaft.

Therapeutisch lässt sich die Wirkung der Sprache auf das Gehirn und den Körper wunderbar und heilsam nutzen. Eine salutogene Wortwahl, wie in der Hypnotherapie angewandt, impliziert Möglichkeiten, Lösungswege und Handlungsspielräume statt Diagnosen, Unheilbarkeit und Begrenzung.

Mithilfe von wohlformulierten Geschichten und ausgewählten Metaphern werden dem Klienten neue Blickwinkel und Perspektiven aufgezeigt, wodurch die Selbstheilung aktiviert werden kann. Dies geschieht sowohl in formal induzierter Trance als auch im Therapiegespräch. Auch mithilfe von verbalen Impulsen der Ultrakurzhypnose sind neue Lösungswege möglich. Hier werden vom Therapeuten individuell ausgewählte und angepasste Grüße an das Gehirn oder die Seele ausgerichtet, bei denen das Unbewusste direkt angesprochen wird.

Bei Menschen, die eine Hirnschädigung erlitten haben, können hypnotherapeutisch allein durch die verbal geführte Bewegungsimagination die betroffenen Areale im Gehirn stimuliert werden. Hochleistungssportler wenden diese Technik schon lange als Mentaltraining vor Wettkämpfen an.

Der Erfolg wird mental antizipiert, Bewegungsabläufe werden in der Imagination verfeinert und die innere Anspannung wird reduziert.

Mithilfe der Hypnotherapie können physische und psychische Ressourcen aktiviert und innere Blockaden gelöst werden, was innerhalb der klassischen Neurorehabilitation meist nur bedingt geschieht.

Ein wunderbares Beispiel für die Möglichkeiten der Selbstheilung mithilfe der individuellen Hypnotherapie ist die Heilungsgeschichte einer Frau, die an einer Depression litt. Ihre einzigen Hobbys waren Usambaraveilchen und Gottesdienstbesuche.

Der Hypnotherapeut Milton H. Erickson utilisierte die genannten Ressourcen der Frau und gab ihr in der Therapie lediglich die Aufgabe, bei jedem Gemeindeereignis (z. B. Trauung, Taufe, Beerdigung) die Hauptpersonen mit einem Usambaraveilchen zu beschenken. Somit konnte sie in die Gemeinde eingebunden werden, hatte erfreuliche Begegnungen und wurde zu einem geschätzten und gefragten glücklichen Gemeindemitglied.

Da jeder Mensch und jede Symptomatik einzigartig ist, kann es keine Hypnotherapie nach Schema F geben. Die innere Haltung des Therapeuten ist ebenso wichtig wie der Respekt und die Achtung vor den Menschen, die Hilfe suchen. Es werden nicht Krankheiten behandelt, sondern Menschen!

Beispiele aus meinem therapeutischen Alltag zeigen Möglichkeiten der Hypnotherapie in der Neurorehabilitation:

  • Reduktion der Schmerzsymptomatik bei hemiparetischen Krämpfen
  • bessere Beweglichkeit des paretischen Arms und Beins
  • besseres Speichelmanagement und Normalisierung der Schluckfrequenz
  • Vertiefung der Sprechatmung und dadurch bessere Verständlichkeit in der Kommunikation
  • Verringerung der Sprechblockade bei Sprechapraxie
  • innere Gelassenheit und Beruhigung als Anfallsprophylaxe bei Epilepsie
  • bessere Transfers bei Multipler Sklerose
  • bessere psychische Krankheitsbewältigung

Die eigene Wortwahl kann jeder von uns im Alltag beobachten und darauf achten, was sie auslöst. Worte können Kraft spenden und Lösungen ermöglichen oder schwä- chen und begrenzen, in jedem Gespräch im Alltag, beim Arzt oder Therapeuten.

Lasst uns bei der Sprache anfangen, indem wir stärkend und wohlwollend formulieren, zu unser aller Nutzen!

Ich habe ein Attentat auf dich vor! Ich bitte dich um einen Rat. Hast du Zeit für mich?

Ich habe mir wegen dieser Sache den Kopf zerbrochen. Ich habe mir wegen dieser Sache viele Gedanken gemacht.

Ich mache mir Sorgen um meinen Freund. Ich bin für meinen Freund da.

Ich werde versuchen, das Problem zu lösen. Ich werde eine Lösung finden.

Haben Sie noch Schmerzen? Wie geht es Ihnen heute? Was können Sie selbst für Ihr Wohlbefinden tun? Wie können wir Sie dabei unterstützen?

Diese Salbe wird brennen! Nach einiger Zeit wird sich die Wirkung der Salbe entfalten und Sie werden sich besser fühlen!

Sie müssen das so machen! Sie sind der Experte für Ihr Symptom. Zeigen Sie mir, was genau Sie bisher gemacht haben, und wir schauen, ob wir zusätzliche Möglichkeiten finden, die Ihnen guttun.

Quellen
Diese können bei der Autorin abgerufen werden.

Astrid DümlerAstrid Dümler
Dipl.-Sprachheilpädagogin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Systemische Hypnotherapeutin, Arbeit mit Menschen nach Hirnschädigungen im Bereich der Neurorehabilitation

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