Gehirnforschung und Psychotherapie Teil 1: Bereicherung oder Verdrängung?

©majiveckaAus der Sicht von Psychotherapeuten (immer m/w) geht es um sehr viel, nämlich um ihren legitimen Stellenwert rund um Persönlichkeitsentwicklung, -veränderung und Störungsbehandlung im weitesten Sinn, zumal eingedenk des Siegeszuges der Neurowissenschaften im Geist umfassender Lebenswissenschaften.

Der Artikel versteht sich als Entrée in eine Auseinandersetzung rund um die Frage nach dem Rang psychotherapeutischer (Veränderungs-)Arbeit und Begleitung. Es lohnt ein Blick auf Anschlussfähigkeiten und auf Unterschiede sowie deren Begründung, um psychotherapeutisch zweierlei zu leisten: zum einen eine hoch professionelle und unideologische verantwortungsbewusste Arbeit am/mit Klienten und zum anderen die Sicherung des Berufsstandes: der unentbehrlichen Funktionalität von Psychotherapie.

Zunächst nähere ich mich der Thematik an, indem ich „Lernen“ ins Zentrum rücke, weil Lernen die Bedingung der Möglichkeit für Entwicklung generell ist. Anschließend werde ich ausführlicher eingehen auf ein Persönlichkeitsmodell, das besondere Popularität genießt, nämlich das von dem interdisziplinär arbeitenden Professor für Verhaltensphysiologie am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen, Gerhard Roth. Zum Teil zusammen mit Mitarbeitern, zum Teil allein befasst sich Gerhard Roth mit der Frage nach der Konstituierung von Persönlichkeit und den Erfolgsfaktoren von Veränderungen. Dabei setzt er sich mit psychologischen Theorien bzw. Modellen sowie deren Anwendung in der Psychotherapie (und im Business-Coaching) auseinander. Konstruktiv prüft er, welche Interventionsarten aus neurobiologischer Sicht vielversprechend sind.

©majiveckaNeuroplastizität und Lernpsychologie: lebenslanges Lernen

Neurowissenschaftliche Forschung belegt, dass Lernen in jedem Alter stattfindet, besonders sichtbar in der lebenslänglichen Produktion von Neuronen (v. a. im Hippocampus) und in der Veränderung von neuronalen Netzwerken. Diese Plastizität schließt kompensatorische Leistungen selbst bei Hirnläsionen ein und erweist sich als anschlussfähig an psychologische, psychotherapeutische Annahmen und Erfahrungen.

Zwar wird es mit zunehmender Erfahrung und Profilierung (Alter) aufwendiger und mühsamer, grundlegend Neues zu lernen, weil sich Routinen gebildet und sich bestimmte neuronale Netzwerke besonders ausgeprägt haben. Metaphorisch wird dieser Prozess und sein neurobiologischer Niederschlag beschrieben mit dem Trampelpfad, der sich durch häufiges Begehen bzw. Befahren zu einer mehrspurigen Autobahn ausgestaltet. Diese Metapher beschreibt Lernen als Prozess, Lernerfolge als erworbenes Wissen, das abrufbar ist und intuitiv wirkt.

Auch das Erlernen von Neuem bzw. Neuartigem ist in jedem Alter möglich, zumal veränderte Lernstrategien genutzt werden. Dies stimmt überein mit lernpsychologischen Befunden. Insofern psychotherapeutische Interventionen mit Üben verknüpft sind, wird Lernen befördert, können sich neuartige neuronale Verbindungen bilden, die dauerhaft bleiben. Dies gilt für Denkmuster (Strategien, Methoden im Denken), Gefühlsmuster (typische affektive und emotionale Reaktionen auf wiederkehrende emotional berührende Ereignisse) ebenso wie für Muster in Handeln und Verhalten.

Vereinbar sind neurowissenschaftliche Befunde mit psychotherapeutischen Annahmen im Rahmen von Lernen auch bezüglich des Konzepts der „Sensiblen Phasen“ bzw. der frühkindlichen Lernphasen und Pubertät („Umbau des Gehirns“ als Schlagwort).

Neurowissenschaftlich lassen sich Zeitfenster definieren, die zeigen, dass sich neuronale Schaltkreise für bestimmte Funktionen nicht nur allgemein nutzungs-, sondern speziell altersabhängig ausbilden und der Grad an Perfektion einer Fertigkeit, also ihrer vollständigen Ausbildung, mit dem Lernen in bestimmten Lebensphasen einhergeht. Dies bedeutet gleichzeitig: Dank der lebenslangen Adaptivität (Neuroplastizität) können zumindest die meisten Funktionen oder Fähigkeiten auch außerhalb dieser Phasen entfaltet werden, nur nicht immer vollständig.

Das gilt z. B. für das Sehen, Lesen oder Lernen von Fremdsprachen. „Welcher Verarbeitungsmodus und damit welche neuronalen Systeme zum Einsatz kommen, kann auf der Basis der reinen Beobachtungen von Verhalten nicht entschieden werden. Hier müssen neurowissenschaftliche Verfahren zum Einsatz kommen, um die neuronalen Systeme direkt zu beobachten.“ Es zeigt sich, dass das „Einbeziehen neurowissenschaftlicher Methoden für die Identifikation von sensiblen Phasen in der Entwicklung unabdingbar ist. Sensible Phasen in der Entwicklung bedeuten aber in erster Linie auch, dass, wenn bestimmte Lernmöglichkeiten in der frühen Entwicklung fehlten, neuronale Systeme und assoziiertes Verhalten sich nicht mehr vollständig entwickeln können. Das heißt, dass für eine typische Entwicklung typische Lernumwelten zu einem bestimmten Zeitpunkt unabdingbar sind.“1)

Die entwicklungs- und lernpsychologischen Kenntnisse entsprechen diesem Befund ebenso wie psychotherapeutische Erfahrungen mit Kindern bzw. Jugendlichen, sofern Fertigkeiten entwickelt werden sollen, für die – entwicklungspsychologisch betrachtet – Nachholbedarf besteht.

©majiveckaAussichtsreiche Lerninterventionen in Zeit und Methodik

Insofern sind Fragen und Bedenken von Brigitte Röder, Professorin für Biologische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Hamburg, übertragbar: Wie kann Neuroplastizität gesteigert werden bzw. wie kann psychotherapeutisch so interveniert werden, dass gewünschtes Denken, Fühlen, Verhalten erlernt, Unerwünschtes verlernt bzw. signifikant vermindert wird, ohne dass der Klient in Verunsicherung rutscht?

Denn: „So wünschenswert auf den ersten Blick eine solche Steigerung der Neuroplastizität auf das Niveau von sensiblen Phasen erscheinen mag, so sind damit doch auch Risiken verknüpft. Es kann vermutet werden, dass die Plastizität bestimmter neuronaler Systeme auch deswegen abnehmen muss, damit neue Systeme diese als Teilfunktion für komplexere Funktionen nutzen können. So kann man am Fundament eines Hauses auch nur eingeschränkt Veränderungen vornehmen, wenn man nicht riskieren will, dass das gesamte Haus in sich zusammenfällt. Das bedeutet, dass die Stabilität von bestimmten, insbesondere sich früh entwickelnden Systemen eine Voraussetzung für die Entstehung höherer kognitiver Funktionen ist oder allgemein von Funktionen, die aus der Aktivität verteilter neuronaler Systeme bestehen. Deswegen müssen Interventionen sicherstellen, dass sie funktionell spezifisch und nicht systemdestabilisierend wirken.“1)

Mit anderen Worten: Neues Lernen braucht Fundament, und bis dato ist es die psychotherapeutische Arbeit, die dieses Fundament sucht (Ressourcenorientierung), um Interventionen entsprechend auszurichten.

Trotz der fallspezifisch nötigen Abklärung durch neurologische, psychiatrische Untersuchungen und zeitweilig zielführenden Parallelität pharmakologischer Unterstützung während einer Therapie liegt es zu einem Gutteil am Repertoire psychotherapeutischer Behandlung, inwiefern erwünschte Veränderungen (dauerhaft) etabliert werden.

In das psychotherapeutische Setting übersetzt lauten die beiden zentralen Fragen im Kontext von Lernen und damit Verändern von Denk-, Fühl-, Verhaltensmustern: Wie kann (die Bereitschaft für) Umlernen, Dazulernen gesteigert werden? Wie können wir, etwa bereits in der Kinderpsychotherapie, sensible Phasen bzw. die generelle permanente Lernfähigkeit nutzen, ohne Schaden anzurichten, und wie „perfekt“ muss – als Messlatte für ein Ende der Intervention – das Ergebnis sein?

Noch einmal sei Brigitte Röder zitiert, da ihr Forschungsschwerpunkt auf der Neuroplastizität liegt. Forschung und Empirie weisen darauf hin, dass – gerade im Verhältnis zu Psychopharmaka – „Verhaltensinterventionen vielversprechender“ seien, jedenfalls dann, wenn sie „bestimmte Kriterien erfüllen, die Daphne Bavelier von der Universität Genf im Jahr 2010 im „Journal of Neuroscience“ beschrieb: Interventionen müssen selbstverstärkend sein, sie müssen Aufmerksamkeit binden, und sie müssen vielseitige Erfahrungen innerhalb des anvisierten Funktionsbereiches bieten.“ Dies kann durch die Anwendung verschiedener medialer Kanäle geschehen. Etwa durch die Arbeit mit Videospielen: „Videospiele erfüllen die Ansprüche an eine effiziente und effektive Verhaltensintervention: Sie „machen Spaß“ (sie sind also selbstverstärkend), sie sind fesselnd (sie binden also Aufmerksamkeit), und sie sind häufig durch sukzessiv ansteigende Schwierigkeit und Komplexität gekennzeichnet (sie bieten also vielseitige Erfahrungen). Deswegen werden heute „Gamification“-Möglichkeiten im therapeutischen Kontext für maß- geschneiderte Interventionen diskutiert.“1)

Das scheint aussichtsreich aus mehreren Gründen. Einer davon ist, dass Gamification der Spiellogik entspricht und Herausforderungen mit attraktiven Belohnungen kombiniert. Ein zweiter zeigt sich in der breiten Nutzung von Gamification in beruflichen Kontexten, auch in der Ausbildung (z. B. Mahlmann: 2015, 2-24) und in Online-Therapien und Apps, die ebenfalls verhaltenspsychologische Motivationslogik nutzen. Zum Vergleich s.2)

Lernen findet in zwei Weisen statt, die an die Unterscheidung von allgemeiner Vigilanz und spezifischer Aufmerksamkeit anknüpfen und psychotherapeutisch genutzt werden. Unser Gehirn ist immer aktiv – und damit nimmt es Reize aus der Umwelt auf (s. u.: bereits pränatal) und verarbeitet sie auch dann, wenn unsere Aufmerksamkeit nicht gerichtet ist – ganz analog der psychologischen These, dass wir unbewusst bzw. unwissentlich Reize verarbeiten, die wirken (analog dem Un-, Nicht-, Vorbewussten). Die ungerichtete Aufmerksamkeit (allgemeine Vigilanz) ist zu unterscheiden von der selektiven, die mit bewusstem Wahrnehmen, mit Fokussierung, Konzentration auf etwas einhergeht. Psychotherapie, je nach methodischem Vorgehen, arbeitet in beiden Dimensionen und setzt methodenspezifisch Schwerpunkte, arbeitet mal mehr auf der gestreuten und unbewussten Ebene (z. B. hypnotische Verfahren), der bewussten, selektiven (z. B. kognitive Verfahren, Körperarbeit) oder kombiniert.

Menschen lernen in beiden „Wachzuständen“ des Gehirns. Vigilanz läuft immer mit, Lernen kann absichtsvoll und unabsichtsvoll ablaufen sowie primär kognitiv oder primär emotional. Daher ist es möglich, dass weniger die kognitiven, als vielmehr die „emotionalen und motivationalen Aspekte“ solcher therapeutischen Spiele (…) möglicherweise zusätzlich zu einer allgemein gesteigerten Plastizität (führen), diese kommt aber nur in den neuronalen Systemen zur vollen Expression, die durch ein zusätzliches (Wahrnehmungs- oder kognitives) Training angesprochen werden. Man nimmt an, dass so die gewünschte Selektivität erzielt werden kann. Ähnliche Wirkungsmechanismen schreibt man anderen Interventionen zu, z. B. körperlicher Bewegung. Ob Pharmaka ähnliche Wirkungen erzielen könnten, muss zukünftige Forschung zeigen.

Der Mensch verfügt also ein ganzes Leben lang über ein gewisses Niveau an Neuroplastizität und damit Lernfähigkeit, die möglicherweise weiter in bestimmten Grenzen ausgebaut werden kann. Diese individuellen Grenzen, das legen die Studien zur Entwicklungsplastizität nahe, werden für jedes Individuum auch durch seine frühkindlichen Lernmöglichkeiten gesetzt. Damit sind beide, sich auf den ersten Blick widersprechende Volksweisheiten wahr: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ (sensible Phasen) und „Zum Lernen ist es nie zu spät“ (Erwachsenenplastizität).“ Und dies kehrt in dem folgenden neurobiologischen Modell wieder.

©majiveckaPersönlichkeitsbildung: ein neurobiologisches Persönlichkeitsmodell

Gerhard Roth ist vermutlich jener Neurobiologe, dessen Persönlichkeitsmodell besondere Verbreitung findet, nicht zuletzt, weil er sich (zuweilen gemeinsam mit Mitarbeitern) passioniert dem Zusammenhang von Neurowissenschaft, Persönlichkeitsbildung, Schule (Pädagogik), Psychotherapie und Business Coaching widmet. Daher konzentriere ich mich auf sein Modell und dessen Begründung, freilich stark vereinfacht und auch unter Absehen kritischer Anmerkungen (die andernorts zu formulieren sind). Ziel ist es, Psychotherapeuten zu motivieren, sich fortlaufend mit für Persönlichkeitsbildung und Störungsbehandlung befassten neurowissenschaftlichen Befunden zu befassen.

Die Literaturhinweise geben eine Auswahl jener Bücher bzw. Interviews von Gerhard Roth, zum Teil mit Co-Autor, wieder, auf die ich mich besonders beziehe. Die Werke bieten fundamentale Erläuterungen und Bezüge von Neurobiologie, -chemie und Neuropsychologie zu verbreiteten Paradigmen in Psychologie und Psychotherapie, einschließlich Darstellung und Diskussion der Wirksamkeitsforschung.

Da es den Rahmen sprengen würde, eine detaillierte Darstellung zu geben, begnüge ich mich mit einer Skizze und empfehle, die Werke des Autors zu lesen. Die Lektüre ist grundlegend bildend und instruktiv, gerade auch eingedenk der Kontroversen unter Neurowissenschaftlern, insbesondere im interdisziplinären Diskurs mit Psychiatern, Psychologen aller Strömungen, Philosophen, Therapeuten.

Macht das Gehirn Seele und Persönlichkeit?

Zentral in der Kontroverse ist das Verhältnis von Materiellem (Biologie, Physiologie) und Immateriellem (Geist, Seele, Psyche); Fragen der Emergenz (Wechsel in eine neue Qualität, Kategorie) stellen sich ebenso wie jene der Wechselwirkung bzw. Kausalität und mit alldem Fragen dazu, inwiefern Menschen sich selbst bzw. andere verändern oder Veränderung initiieren und stabilisieren können.

Die in Anlehnung an einen der Buchtitel formulierte Frage dieses Abschnitts geht davon aus, dass Gehirn bzw. bestimmte psychoneuronale Systeme eine notwendige Bedingung für Seele und Persönlichkeit sind. Diese neurobiologische Auffassung in Bezug auf Seele steht selbstredend in Gegensatz zu Glaubensinhalten wie Seelenwanderung oder Reinkarnation. Verantwortungsvolle Psychotherapie differenziert zwischen Glauben und evidenzbasierten Erkenntnissen, wenngleich sie Glauben des Klienten für diesen zielführend durchaus utilisieren kann.

©majiveckaMacht das Gehirn also Seele und Persönlichkeit?

Ja, insofern Materie Grundvoraussetzung ist für Nichtmaterielles (in Bezug auf Bewusstsein, Seele, Persönlichkeit). Nein insofern, als noch ungeklärt ist, wie Materielles in Immaterielles umschlagen kann bzw. wie und inwiefern Materielles und Immaterielles korrelieren, aufeinander einwirken und welche Art von Kausalität man annehmen kann.

Was unbestritten ist, ist zum einen das Moment der Wechselwirkung zwischen Psyche und Soma: Psychosomatik und Psychopharmakologie belegen dies. Es gibt Störungsarten, bei denen materiell angesetzt wird, um im Seelischen Erleichterung zu schaffen, sei es direkt (gezielt wirkende Psychopharmaka) oder als Kombination von Pharmaka und Psychotherapie. Der Vorteil der Kombination liegt darin, dass der Einsatz von Psychopharmaka die Bedingung der Möglichkeit für wirksame Psychotherapie ist. Synergetische Effekte vielfach belegt.

Neueren Datums ist die technologisch gestützte Intervention via Elektroden, Chips, Implantaten (gerade auch Hirnimplantaten, etwa bei Parkinson und Tumoren). Die technologische und pharmakologische Intervention kommt gegenwärtig noch nicht ohne psychotherapeutische Flankierung aus. Die Betonung liegt auf dem „noch“. Abgesehen von technischen Entwicklungen spielt einer wachsenden Dominanz technologischer Therapie die enorme Akzeptanz in die Hände, die bereits gegenwärtig Avatare, Roboter, virtuelle Psychotherapie genießen, und der zunehmende Einsatz insbesondere von Hirnimplantaten.

Insofern sollten Psychotherapeuten beide Entwicklungen aufmerksam verfolgen: apersonale Psychotherapie und Akzeptanz derselben bei Klienten/Patienten. Auch diese Einsatzmöglichkeiten knüpfen an neurowissenschaftliche Erkenntnisse an bzw. machen diese möglich. Technologie und Hirnwissenschaft führen eine wechselseitig bereichernde Allianz, die auf Kosten von Psychotherapie gehen kann.

Im Buch „Wie das Gehirn die Seele macht“ führen die Autoren in den aktuellen Kenntnisstand rund um das menschliche Gehirn ein, garniert mit knappen historischen Skizzen und Betonung auf die in den meisten (eher populären) Fachbüchern vernachlässigte Seite der Neuromodulatoren, der Korrelation bzw. dem Prägungsverhältnis von Psychischem und Genen, Epigenetik und Umwelt. Gerhard Roth und Nicole Strüber definieren und begründen ihr neurobiologisches Verständnis von „Seele“ als Kernausdruck der (empirisch fassbaren) Persönlichkeit.

Das Autorenpaar zeigt, welche Funktionen und Auswirkungen das komplexe Zusammenspiel der „Sprache der Seele“, nämlich der Neuromodulatoren, -peptide und -hormone, auf die gesamte Befindlichkeit, auf Optionen und Grenzen der Entwicklung eines Menschen haben, einschließlich ihrer Rolle für die Bildung der Persönlichkeit und vor allem für die Ausbildung bestimmter psychischer Störungen. Ausführlich behandeln sie das Zusammenspiel von Hirnphysiologie mit genetischer Disposition, epigenetischen Veränderungen und soziokultureller Umwelt. Psychotherapeuten werden immer wieder aufgerufen, sich diesen materiellen (physiologischen) Prozessen und Wirkungen nicht zu verschließen, da das Wissen um sie die Treffsicherheit psychotherapeutischer Intervention erhöhen kann.

Wiederholt wird unterstrichen, dass der Seelenbegriff aus neurobiologischer Sicht definiert und die vertretene Position keine reduktionistische in dem Sinn sei, dass biologische Voraussetzungen genügten, um Seelisches und Personalität erschöpfend zu bestimmen. Etwa in diesen Worten: „Das synaptische Geschehen bildet …. eine notwendige Voraussetzung für das Seelische; denn hierüber kommunizieren die limbischen Zentren und Ebenen miteinander und mit den vegetativen, sensorischen, kognitiven und exekutiven Zentren des Gehirns. Dieses Geschehen ist aber nicht hinreichend. Viel eher könnte man sagen: Wir, also unsere Psyche und Persönlichkeit, sind das Ergebnis der Interaktion von Genen und Umwelt“, einschließlich epigenetischer Veränderungen, die teilweise transgenerationell weitergegeben werden (Roth/Strü- ber 2014, S. 382).

Die folgenden Teile des Artikels behandeln:

2. Das neurobiologische Modell der vier Ebenen der Persönlichkeit und die sechs psychoneuralen Grundsysteme

3. Neuropsychotherapie: das neurobiologische Persönlichkeitsmodell und Psychotherapie

4. Paradigma Verhaltenstherapie und KVT sowie Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

1) Röder, Brigitte: Hirnforschung, was kannst du? Wir formen unser Gehirn. In: F.A.Z. 26.09.2015, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/drittekultur/hirnforschung-was-kannst-du-wirformen-unser-gehirn-13816355.html
2) Mahlmann, Regina: Hello, I`m Eliza. Eliza und die Zukunft von Psychotherapeuten. Teil 1. In: Freie Psychotherapie, 02.19, S. 57-61 und: Therapie ohne Therapeut – mit Roboter? Teil 2. In: Freie Psychotherapie, 03.19, S. 33-36
Hofmann, Arne: Die Macht der Augenblicke. In: Gehirn & Geist 5, 2004
Krauss, Andreas: Fußangeln der Erinnerung, In: Gehirn & Geist, 5-2004, S. 66-69
Roth, Gerhard: Bildung braucht Persönlichkeit. Wie lernen gelingt. Stuttgart, 2. Auflage, 2019
Roth, Gerhard/Strüber, Nicole: Wie das Gehirn die Seele macht. Stuttgart, 2014
Gerhard Roth im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.08.2015: Wie lautet der gegenwärtige Erkenntnisstand der PsychoNeurobiologie?, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/dritte-kultur/bindungsforschung-wiedas-gehirn-die-seele-formt-13733288.html

Dr. Regina Mahlmann Dr. Regina Mahlmann
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