Unverzichtbar in der Praxis: Assistenzhunde und Therapiebegleithunde
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Assistenzhundetrainerin habe ich das große Glück, die unglaubliche Wirkung von Hunden in meinem beruflichen Alltag hautnah zu erleben. Meine eigenen Hunde setze ich in meiner Praxis als Therapiebegleithunde ein, um die therapeutische Beziehung zu stärken und Patienten emotional zu unterstützen.
Hunde wirken auf mehreren Ebenen positiv auf den Menschen – physisch, psychisch und sozial.
Nemo, mein Magyar Vizsla, ist in meiner Praxis als Therapiebegleithund tätig. Meine Patienten haben die Wahl, ob Nemo aktiv in die Therapie eingebunden wird oder ob er einfach nur in ihrer Nähe liegt. Schon allein seine Anwesenheit erzeugt eine beruhigende Atmosphäre. Viele Patienten berichten, dass sie sich durch seine Nähe entspannter fühlen und leichter in die therapeutische Arbeit einsteigen können. Die sanfte Berührung seines Fells oder das Beobachten seiner ruhigen Präsenz regt nachweislich die Ausschüttung von Oxytocin und Endorphinen an – Hormone, die für Entspannung, Wohlbefinden und die Förderung sozialer Bindungen verantwortlich sind. Gerade in belastenden therapeutischen Situationen hilft dies den Patienten, sich schneller zu öffnen und sich auf den Heilungsprozess einzulassen.
WIE WIRKEN HUNDE AUF MENSCHEN?
Hunde wirken auf mehreren Ebenen positiv auf den Menschen – physisch, psychisch und sozial. Ihre vielseitige Wirkung macht sie zu unverzichtbaren Begleitern, insbesondere im therapeutischen Kontext.
Physische Wirkung
Die Anwesenheit von Hunden kann nachweislich physiologische Reaktionen hervorrufen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Zum Beispiel senkt die Interaktion mit einem Hund den Blutdruck und die Herzfrequenz, was zu einer allgemeinen Entspannung führt. Die Berührung des Fells regt die Ausschüttung von Oxytocin an, einem Hormon, das Stress reduziert und das Gefühl von Geborgenheit fördert. Studien zeigen auch, dass Menschen in Gegenwart von Hunden weniger Kortisol – das Stresshormon – im Blut haben, was langfristig zur Verbesserung der körperlichen Gesundheit beiträgt.
Psychische Wirkung
Hunde bieten emotionale Unterstützung und helfen dabei, Angstzustände und Depressionen zu lindern. Durch ihre bedingungslose Zuneigung und Präsenz vermitteln sie Sicherheit und Stabilität. Die Ausschüttung von Endorphinen, die durch das Zusammensein mit Hunden gefördert wird, verbessert die Stimmung und kann depressive Episoden abschwächen. Viele Menschen berichten, dass sie sich in der Gegenwart eines Hundes entspannter und emotional ausgeglichener fühlen.
Hunde haben zudem die Fähigkeit, Emotionen und Stimmungen ihres menschlichen Gegenübers intuitiv wahrzunehmen. Sie reagieren oft durch Nähe, Blickkontakt oder sanfte Berührungen, was wiederum Trost und Unterstützung bietet. Diese Interaktionen fördern das Vertrauen und erleichtern es vielen Patienten, sich im therapeutischen Setting zu öffnen.
Soziale Wirkung
Hunde wirken auch als Brücke in der sozialen Interaktion. Ihre Anwesenheit erleichtert es vielen Menschen, Kontakte zu knüpfen und Gespräche zu beginnen. In therapeutischen Kontexten können Hunde als „Eisbrecher“ fungieren, die Hemmungen abbauen und eine offene Atmosphäre schaffen. Gerade Menschen, die sich aufgrund psychischer Belastungen sozial zurückziehen, profitieren von der Anwesenheit
Die Interaktion mit einem Hund senkt Blutdruck und Herzfrequenz, was zur Entspannung führt.
eines Hundes, der als Bindeglied zwischen ihnen und ihrer Umgebung wirkt.
Zusätzlich fördern Hunde Verantwortungsbewusstsein und Routine. Für viele Menschen, die mit psychischen oder physischen Herausforderungen leben, bietet der regelmäßige Umgang mit einem Hund eine Struktur, die den Alltag stabilisiert und Orientierung gibt. Doch neben diesen wertvollen Helfern gibt es eine weitere, ganz besondere Gruppe von Hunden: Assistenzhunde.
Diese Tiere erfüllen eine klar abgegrenzte und äußerst bedeutende Rolle, die weit über die Arbeit eines Therapiebegleithundes hinausgeht.
Assistenzhunde sind keine Therapiebegleithunde, denn sie arbeiten ausschließlich für eine einzelne Person, die sie kontinuierlich im Alltag unterstützen. Beide haben ihren festen Platz in der Praxis, doch Assistenzhunde verdienen aufgrund ihrer speziellen Aufgaben und gesetzlichen Regelungen einen ganz besonderen Respekt und Schutz.
In diesem Artikel möchte ich Ihnen speziell die Gruppe der Assistenzhunde und deren Arbeit näherbringen sowie die Wichtigkeit, sich mit den Rechten und Bedürfnissen von Assistenzhund-Teams (M-A-G = Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft) vertraut zu machen. Wenn man an einen Assistenzhund denkt, kommt häufig das Bild eines Blindenführhundes in den Sinn. Diese Hunde sind zweifellos bekannt für ihre großartige Arbeit, doch es gibt viele weitere Einsatzbereiche von Assistenzhunden. Häufig ist die Herausforderung, die der Halter zu bewältigen hat, von außen nicht sofort sichtbar, wie bei Menschen mit Angststörungen, PTBS oder Autismus. In solchen Fällen übernehmen Assistenzhunde lebensverändernde Aufgaben, ohne dass Außenstehende sofort verstehen, wie bedeutsam ihre Unterstützung ist. Gerade diese unsichtbaren Herausforderungen machen die Arbeit von Assistenzhunden umso wertvoller und sollten stärker in den Fokus gerückt werden.
WAS GENAU MACHT EINEN ASSISTENZ-HUND AUS?
Ein Assistenzhund wird speziell für die individuellen Bedürfnisse seines Halters ausgebildet. Je nach Aufgabe unterstützen diese Hunde Menschen mit chronischen Krankheiten, körperlichen Einschränkun-
Hunde können als Eisbrecher fungieren und Hemmungen abbauen.
gen oder psychischen Erkrankungen. Zu den bekanntesten Einsatzbereichen gehören:
Blindenführhunde: Sie helfen sehbehinderten oder blinden Menschen, sicher durch den Alltag zu navigieren.
Signalhunde: Diese Hunde alarmieren bei wichtigen Signalen, wie etwa einem Anfall oder einem bestimmten Geräusch.
Mobilitätsassistenzhunde: Sie helfen bei physischen Einschränkungen, indem sie Gegenstände aufheben, Türen öffnen oder assistieren.
Assistenzhunde für psychische Erkrankungen:
Diese Hunde sind besonders sensibel, erkennen emotionale Zustände frühzeitig und bieten Unterstützung bei Angststörungen, PTBS oder Depressionen.
ZUTRITTSRECHTE UND UMGANG IN DER PRAXIS
Ein zentraler Punkt der für die Rolle von Mensch-Hunde-Teams ist das Zugangsrecht von Assistenzhunden zu öffentlichen und privaten Einrichtungen, darunter auch Gesundheitseinrichtungen. Das Mitführen eines Assistenzhundes ist ein wichtiger Teil des barrierefreien Zugangs zu Dienstleistungen. Ärzte, Therapeuten, Berater und Gesundheitseinrichtungen sollten sich daher bewusst sein, dass Assistenzhunde nicht nur geduldet, sondern willkommen geheißen werden sollten.
Assistenzhunde sind durch eine Kenndecke oder ein spezielles Geschirr gekennzeichnet, das sie als ausgebildete Hunde ausweist. Darüber hinaus führen Halter einen offiziellen Ausweis mit sich, der den Assistenzhund legitimiert. Diese klare Kennzeichnung unterstützt auch dabei, Missverständnisse oder Vorbehalte anderer Patienten zu vermeiden.
Gerade Teams, die sich noch in der Ausbildung befinden, sollten wenn möglich Zutritt zu Gesundheitseinrichtungen erhalten. Diese Phase ist essenziell, damit die Hunde lernen, in unterschiedlichsten Situationen souverän zu agieren, und so die Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft weiter zusammenwächst. Praxen, die diesen Teams den Zutritt ermöglichen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung zukünftiger Assistenzhunde. Warum sollte man die beeindruckende Wirkung von Hunden nicht nutzen, um sowohl den Menschen als auch den Hunden die Möglichkeit zu geben, ihr volles Potenzial zu entfalten? Diese Zusammenarbeit stärkt nicht nur die Teams, sondern zeigt auch, welche Bereicherung Assistenzhunde für den therapeutischen Alltag darstellen können.
FAZIT
Hunde wirken auf vielfältige Weise positiv auf den Menschen – körperlich, psychisch und sozial. Ob als Therapiebegleithunde, die in einer Praxis wertvolle Unterstützung leisten, oder als speziell ausgebildete Assistenzhunde, die ihren Halter im Alltag begleiten: Ihre Präsenz bereichert den therapeutischen Prozess und stärkt das Wohlbefinden. Eine offene und wertschätzende Haltung gegenüber diesen tierischen Helfern trägt nicht nur zur Inklusion bei, sondern verbessert auch die Lebensqualität vieler Menschen.
Carola Schulz Heilpraktikerin für Psychotherapie und Assistenzhundetrainerin