Der Körper als Marionette der Psyche Teil 2
PNIE
Psycho-Neuro-Immuno- Endokrinologie
ACHTSAMKEIT
Bei der Achtsamkeit ist das Hauptziel das Wiedererlernen der emotionalen Wahrnehmung. Man könnte auch sagen: das erneute Lernen des Sprechens. Wenn man es verlernt hat, handelt es sich um eine Aphasie (griech. Sprachlosigkeit). Sie kann verschiedene Ursachen haben z. B. einen Schlaganfall, der eine fokale Hirnschädigung hervorrufen und somit das Äußern einiger lebenswichtiger Dinge erschweren oder sogar gänzlich verhindern kann. Dabei handelt es sich vornehmlich um die Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken und Wünsche, welche in Mitleidenschaft geraten. Damit diese Dinge wieder erlernt werden können, gibt es eine wunderbare Übung zum Thema Achtsamkeit. Diese Übung stammt ursprünglich aus der Psychotherapie und heißt Body-Scan. Mit ihrer Hilfe ist es sehr gut möglich, seine eigenen Körperempfindungen neu zu erlernen und wieder wahrzunehmen. Doch zuvor möchte ich den Unterschied zwischen lokaler und fokaler Hirnschädigung erklären. Bei einer lokalen Hirnschädigung ist ein kleiner (lokaler) Bereich des Gehirns betroffen. Im Gegensatz dazu spricht man von einer fokalen (einen großen Bereich betreffend) Hirnschädigung durch einen Schlaganfall oder eine Multiple Sklerose.
ÜBUNG 1
Sie legen sich am Idealsten flach auf den Rücken und schließen die Augen. Atmen Sie gleichmäßig in den Bauch – ein und wieder aus. Jetzt stellen Sie sich Ihren Körper vor und wandern von Kopf bis Fuß jeden Bereich Ihres „Bodys“ durch. Sie scannen ihn und spüren, was genau in ihm passiert. Dabei beginnen Sie immer mit der linken Körperseite. Wir machen das Ganze zusammen, damit Sie sehen, was ich genau meine. „Was spürst du an deinem Kopf? (linke Seite) Was spürst du auf der anderen Seite? Wie fühlt sich dein Hals an? Und die andere Seite des Halses? Was spürst du von der Schulter bis zu den Fingerspitzen? Welche Empfindungen nimmst du an der anderen Seite wahr? Wie fühlt sich deine Brust an? (immer beide Seiten) Die Flanken? Dein Bauch? Wie nimmst du deinen Intimbereich wahr? Den Oberschenkel? Das Knie? Das Schienbein? Den gesamten Fuß?“ – Und danach kommt die Rückseite an die Reihe! Wieder zuerst linke dann die rechte Seite. Von Kopf bis Fuß. Diese Übung ist wunderbar dafür geeignet, um sich selber wieder besser kennenzulernen und der Aphasie den Kampf anzusagen. Natürlich gehört noch mehr zur Lösung dieses Problems. Aber einen passenden Weg muss jeder Mensch selbst für sich finden – wenn die Person das überhaupt möchte …
Die Frage ist doch, wie die Psyche eine fokale Hirnschädigung hervorrufen kann? Diese Frage möchte ich mit dem sog. PNIE-System von Dr. Maté erläutern. Das PNIE-System verbindet vier Bereiche miteinander und erklärt von selbst, was im Körper passiert.
P = Psychologie N = Neurologie I = Immunologie E = Endokrinologie (Hormonmedizin) PNIE = Psycho-Neuro-Immuno-Endokrinologie Die Psyche beeinflusst das Nerven-, Immun- und Hormonsystem und somit kann gut anschaulich gezeigt werden, welchen Einfluss die Psyche, oder auch Seele, auf den menschlichen Körper hat. Mit diesem PNIE-System wird schnell klar, dass unsere Gedanken den Lauf unseres Lebens bestimmen. Der gesamte Körper wird dadurch vorbereitet – auf das, was sich die Person vorstellt. Dann kann es zu Krankheit oder etwas anderem führen.
WUT
Die Verdrängung von Wut, eines der wichtigsten vier Gefühle (Wut, Angst, Freude, Mut), kann zum einen Krankheiten begünstigen und zum anderen das Leben mit einer solchen verkürzen. Beispiel aus meinem Leben
„Ich erzählte im ersten Teil kurz von meinem alkoholkranken Vater. Durch die daraus entstandene häusliche Gewalt konnte ich nicht genau sagen, welche Gefühle und Bedürfnisse in mir herrschten. Zur damaligen Zeit hatte ich Angst davor, in den Augen meines Vaters etwas falsch zu machen. Zwei Gefühle beherrschten mein Leben. Ein unbändiger Hass auf meinen Vater, aber auch tiefe Trauer, dass das Leben unsagbar ungerecht ist. Ich wollte Nähe, Zärtlichkeit, Wärme, Liebe und Annahme – angenommen werden, wie ich bin. Somit verdrängte ich immer einen Teil von mir. Das Gute verdrängte ich komplett und auch die gesunde Wut. Leider vereinsamte ich nicht nur, sondern entwickelte mit 16 Jahren eine unheilbare Krankheit. Natürlich kann man sagen, dass eine Krankheit, wie diese auch heißen mag, eine körperliche Ursache hat. Aber, wie ich bereits erwähnte, liegt die Ursache einer Erkrankung meiner Ansicht nach in der Psyche!“
ÜBUNG 2
Es gibt keine spezielle Übung für das Erlernen gesunder Wut. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, diese in das Leben zu integrieren, z. B. Malen, Musizieren oder das Schreiben. Alle Dinge, bei denen die künstlerische Freiheit zum Tragen kommt, können für das (Wieder-)Erlernen der Wut genutzt werden. Die beste Möglichkeit ist jedoch das Sprechen. Das heißt aber nicht, dass wir jeden fremden Menschen verbal angreifen sollten, vor allem wenn es keinen Grund dafür gibt, diesen Personen Schaden zuzufügen. Das wäre dann, genau wie das Verdrängen der Wut, eine
Die Selbst- ständigkeit ist ein sehr großes und wichtiges Gut im Leben eines Menschen.
negative Erfahrung. Für uns ist es jedoch wichtig zu erkennen, dass wir Kraft und auch nötige Energien daraus ziehen können, wenn wir für uns selbst einstehen und der Welt zeigen: „Ich bin wichtig!“ Eine gesunde Bauchatmung kann dabei helfen, wieder zu neuer Kraft und Energie zu kommen. Aber diese ist auch eine sehr gute Möglichkeit, um die Wut gezielter einsetzen zu können oder mit dieser umgehen zu lernen. Leider haben viele Menschen diese Atmung verlernt und atmen stattdessen oberflächlich in den Brustkorb. Das ist jedoch nicht förderlich! In der Natur atmen Tiere in den Bauch, weil sie somit mehr Luft in sich aufnehmen können. Außerdem ist diese Atmung die natürliche.
Ich möchte Ihnen eine Übung vorstellen, mit deren Hilfe die natürliche Atmung gefördert oder sogar neu erlernt werden kann. Aber Achtung! Um etwas in den Automatismus des Körpers zu integrieren, benötigen wir Menschen ca. 40 Tage! Das heißt viel üben und kontinuierlich sein!
ÜBUNG 3
Lege dich bequem auf den Rücken. Nimm ein paar tiefe Atemzüge und schließe bei der nächsten Ausatmung deine Augen. Lasse deine beiden Hände angenehm auf deinem Bauch ruhen. Sie heben und senken sich mit jedem Atemzug … Stelle dir dabei vor, wie du ganz ruhig auf dem Rücken liegend, im Wasser treibst. Jeder Wellenberg entspricht dem Einatmen und jedes Wellental entspricht dem Ausatmen … Du lässt dich von den Wellen deines Atems tragen. Du spürst genau, wie der Atem dich gleichmäßig bewegt, deinen gesamten Körper durchfließt. Und du bleibst in dieser Stille deiner Vorstellung, wie du möchtest… Du kannst später, oder schon gleich, mit jedem Einatmen bewusster ins Hier und Jetzt zurückkommen. Und am Ende deiner Reise öffnest du mit dem nächsten Einatmen wieder deine Augen und du bist frisch und munter im Moment der Gegenwart.
AUTONOMIE
„Krankheit hat nicht nur eine Geschichte, sie erzählt auch eine Geschichte. Sie ist der Höhepunkt einer lebenslangen Geschichte des Ringens um das Selbst.“ Das ist ein Zitat aus dem Buch „Wenn der Körper Nein sagt“ von Dr. Gabor Maté. Ich persönlich finde die Zeilen sehr gut, da leicht klar wird, um was es in der Autonomie wirklich geht: um die Existenz der eigenen Psyche. Dr. Maté beschreibt weiter, dass der Körper schwere Verletzungen überleben kann, wenn aber die Integrität und Freiheit eines Individuums in Gefahr sind, dann unterliegt der physische Körper. Aus meiner Sicht stellen die Integrität und Freiheit im Allgemeinen den Sinn des Lebens dar. Wenn dieser Sinn also wegfällt, aus welchen Gründen auch immer, dann wird der Körper mit sehr großer Wahrscheinlichkeit krank und letztendlich auch daran sterben.
Beispiel aus meinem Leben
„Durch die häusliche Gewalt meines Vaters verweigerte er, unbewusst natürlich, mir die Entwicklung nicht nur meiner Wut, sondern auch meiner Selbstständigkeit. Auch die Selbstständigkeit ist ein sehr großes und wichtiges Gut in meinem bzw. jedem Leben eines Menschen. Die Integrität, wie auch die Freiheit wurden von mir ebenfalls vollständig unterdrückt, damit ich überleben konnte. Mit diesen Gegebenheiten verwundert es mich nicht, dass sich daraus eine Krankheit entwickelte. Denn mit dieser mangelhaft entwickelten Autonomie wurde das Grundgerüst einer Erkrankung geschaffen.“ Die folgenden Fragen, die sich jeder selbst stellen und beantworten kann, sind eine gute Übung und zugleich der Beginn der Integration der Autonomie:
„Was wünsche ich mir in meinem Leben und meinen Beziehungen?“
Was ich mir in meinem Leben wünsche, ist logischerweise mehr Selbstständigkeit. Durch eine gefestigte
Selbstständigkeit wird einer bereits bestehenden oder sich im Laufe der Zeit (möglicherweise) entwickelnden Krankheit der Boden unter den Füßen entzogen. Aber es geht nicht nur um die Integrität von Autonomie, sondern auch die Integrität von Freiheit. Und das schließt meine Beziehungen ein, seien dies elterliche, freundschaftliche, partnerschaftliche oder sonstige Beziehungen. Die Integrität der Autonomie und der Freiheit stellen gemeinsam mit dem Vertrauen die Basis eines ganzheitlichen Lebens dar.
„Wovon möchte ich mehr und wovon weniger?“
Mehr gesunde Wut, Autonomie, Vertrauen und den dringenden Wunsch nach Freiheit. Die Krankheit MS ist wie ein Gefängnis für mich. Ich möchte anders sein und handeln, aber die Krankheit holt mich immer wieder zurück in die Gefangenschaft. Und wovon ich weniger haben möchte, sind auf jeden Fall die Selbstzweifel – z. B. ob ich diesen Artikel veröffentlichen sollte oder nicht.
„Was will ich nicht und wie sehen meine festgelegten Grenzen aus?“
Also für mich sind Menschen, die über andere lästern, das Allerschlimmste. Diese Leute möchte ich nicht in meiner Gegenwart haben. Das ist auch eine meiner wichtigen Grenzen: Lästern über andere geht absolut nicht! Diese mit ins Gespräch einzubeziehen, wenn sie anwesend sind, ist im Gegenzug in Ordnung für mich.
In Teil 3 gehe ich auf die Themen Bindung, Selbstbehauptung und Selbstbejahung ein.
Andreas Sturz Heilpraktiker für Psychotherapie und Hypnosetherapeut
WIR GRATULIEREN
ZUR BESTAN-DENEN PRÜFUNG
HEILPRAKTIKER FÜR PSYCHOTHERAPIE
Christiane Fleischer, Brüggen
Sabine Christine Kalthoff, Wettenberg
Katerine Engstfeld, Lüneburg
Stefanie Fähnrich, Falkenstein
GEPRÜFTER PSYCHO- LOGISCHER BERATER
Melissa Planer, Bielefeld
Stefan Flacke, Hundeshagen
Robin Kurz, Winterthur/Schweiz
Heidi Wild, Dessau
PSYCHOLOGISCHER BERATER
Babette Schuh, Bonn
Sabine Zieschang, Dresden
Sabine Leutner, Bernau am Chiemsee
Isabel Stobbe, Chemnitz
Nadja Helbig, Hagen
KLEINANZEIGE
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